Scherbenmeer (4)
Goncorek war allein, als er auf den kalten Fliesen der Reinigung wieder zu Bewusstsein kam. Er robbte auf allen Vieren unter der gusseisernen Heißmangel hindurch zu einem der Trockner, der tatsächlich ein Kühlschrank ist, und fingerte ein Bier heraus. Hatte er das alles geträumt?
Hatte er nicht. Die Ladentür war nur angelehnt, die Wasche durchwühlt (auch die schmutzige) und die Kasse aufgebrochen. Heute wäre mehr zu holen gewesen, schließlich steht mittwochnachmittags nach wie vor Erotic Tabledancing mit Gina, Linda, Audette und Hildegard auf dem Programm.
Doch selbst der Verlust des Geldes wäre zu verschmerzen gewesen, hätte Ebengleicher nicht auch noch aus dem hinteren Fach der Kasse mitgehen lassen, was Goncorek besonders am Herzen lag: sein Glücksbringer, den ihm die Fleischerwitwe geschenkt hatte am letzten Abend ihrer Hochzeitsreise quer durch die USA – ein Ring, geschmiedet aus dem durchgebrannten Krümmer ihres Choppers.
Still vergoss Goncorek ein paar Tränen, dann straffte sich sein Körper, der Blick wurde schmal. Er leerte die Flasche, setzte die vollverspiegelte Sonnenbrille auf und begab sich auf die Spur von Ebengleicher. Eine Spur, die eingedenk nächtlicher Dunkelheit sowie der Sonnenbrille vorerst am Türrahmen endete.




So ein romantisches Geschenk würde ich mir auch mal wünschen.
Das ist aber ganz schön fies. Ich finde, klauen sollen unbedingt bestraft werden. Zum Beispiel mit Geld.
Erbost,
bna
Wenn er eine neue Kasse braucht, soll er sich bitte auf meinem Diensthandy melden, werter Herr Schoss.
heisst das im umkehrschluss, dass gonci seine unterhosen im kühlschrank trocknet? wenn er sich da mal keinen gefrierbrand holt.
Dann, werter Herr Latschen, wünschen Sie es sich doch.
Hartgeld, Festgeld, durchnummerierte Scheine, werter Herr Banana, und in welcher Währung? Ich kann so nicht arbeiten! Gibt es die bunten japanischen Mischgetränke jetzt auch im Getränkeverleih Ihres Freundes?
Hat er, werter Herr Schmidt, denn Ihre Nummer?
In dieser Reinigung, werter Herr Oliver, sollen schon Dinge passiert sein …
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Sehr geehrter Herr Schoss,
Malefiz ist eine meiner größten Leidenschaften. Ich könnte jederzeit, jetzt zum Beispiel. Aber finden Sie in dem Scheißministerium mal eine ordentliche Spielesammlung.
Ihr Walter Waßmuth
Mit vollverspiegelter Sonnenbrille Spuren lesen?! Das kann doch schon nichts werden.
Welche Währung, das ist mir doch egal. Hauptsache, es tut weh. Haben Sie schonmal eine britische Pfundmünze an den Kopf bekommen?
Tobé war ganz schön sauer, dass ich ihm keine Getränke zum Verleihen mitgebracht habe. Achso – könnten sie mal bei sich nachschauen? Seine letzte Quartalsabrechnung brachte an den Tag, dass ein Liter Milch fehlt.
Durstig,
bna
Ging mir am Samstag auch so, werter Herr Schoss. Bis auf die Sache mit der Brille.
Jederzeit, werter Herr Waßmuth, Sie Tier!
Auch und gerade, werter Herr Grob, nächtens und mondlos.
Ist dabei, werter Herr Banana, der Unterschied zwischen einem halben und ganzen Pfund tatsächlich so gewichtig? Und kennen Sie das auch, wenn wenig gebrauchte Utensilien im Kühlschrank immer weiter nach hinten rücken? Als Sauerrahm wäre der Liter jetzt zu haben.
Um Himmelswillen, werter Herr Winkelsen! Trafen Sie pupillenschutzlos auf die Zarge?
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Wie geht es der Brille?