Aufdringlich parfümiert

Zu Hunden hatte mein Nachbar Walter Serge schon immer ein gespaltenes Verhältnis. Als Topfpflanzen machten sie sich zwar kurzfristig gut, aber das war’s dann auch schon, was er an Sympathie aufzubringen bereit war. Auch und gerade an jenem Morgen, als er auf dem Weg zur Tramhaltestelle eine stattliche Dungansammlung erst wahrnahm, nachdem er hindurch gelaufen war.

Jetzt war guter Rat teuer, auch in Anbetracht des bevorstehenden Termins, zu dem sich Walter Serge ohnehin schon etwas spät aufgemacht hatte. Und so entschied er schnell, nicht mehr umzukehren, um das Schuhwerk zu wechseln, sondern mit knöchelhoch eingesautem Treter in die Tram zu steigen.

Walter Serge kam zupass, dass öffentliche Verkehrsmittel frühmorgens gut gefüllt sind. So konnte keiner der Fahrgäste mit absoluter Gewissheit sagen, von wem der barbarische Gestank ausging, der sich rasend schnell im Wageninnern verbreitete. Er hatte zudem einen Sitzplatz ergattert, was die Tarnung des eingekoteten Slippers erheblich erleichterte. Dass obendrein in der Reihe vor ihm eine aufdringlich parfümierte Matrone saß, die einen unter der Sitzbank herumwuselnden Westentaschenköter ihr Eigen nannte, half Walter Serges Pein zusätzlich zu lindern.

Mit flotten Schlenkern aus dem Gelenk hielt er sich am Fell des Kläffers schadlos und verließ die Tram anschließend mit verhältnismäßig gut poliertem Schuh.

9 Kommentare zu “Aufdringlich parfümiert”


  1. 1Silvia von Schweden

    Waren es Knöchelschuhe, Herr Schoss?

  2. 2oliver

    ich empfehle hundetot, lieber herr schoss. es gibt jetzt eine handliche familienpackung zum vorteilpreis im örtlichen drogeriemarkt im angebot.

  3. Scheiße.

  4. 4Benedetto

    Wie tragisch. Der arme Slipper.

  5. Bei sowas trinke ich immer Pfützenwasser, Herr Schoss!

  6. Uff. Da bekam der kleine Kläffer aber eine 1a-Hunde-Pomade verpasst, die andere Beinchenheber sicherlich erfreut beschnuppert haben dürften.

  7. Sauber, werter Herr Schoss, hat Walter das wieder hinbekommen!
    Potzblitz und glasklar,
    f.c.

  8. 8Erdge Schoss

    Bedauerlicherweise, liebe Frau von Schweden: Nein.

    Exklusiv in Ihrer lieblichen Landeshauptstadt, werter Herr Oliver, oder auch andernorts?

    Richtig, werter Herr Markus.

    Seinen Sie unbesorgt, werter Herr Benedetto, das gute Stück war schon vorher kackbraun.

    Heißt das, werter Herr Winkelsen, dass Ihnen das öfters passiert?

    Die obendrein eingedenk der Extremparfümierung des Frauchens, liebes Fräulein Meise, länger als gewünscht unbemerkt geblieben sein soll.

    Es soll tatsächlich Tage geben, liebes Fräulein Cinderella, an denen Walter Serge stolz auf sich ist. Einfach so.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  9. 9oliver

    andernorts wäre kein problem, lieber herr schoss. ich könnte ihnen etwas zukommen lassen. kenne da jemanden aus der “import-export-branche”.

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