Reise nach Jerusalem (was nach Mitternacht wirklich geschah)

Das Gesellschaftsspiel “Reise nach Jerusalem” ist sehr beliebt. Man braucht dazu fünf Mitspieler, vier Sessel und einen hundertköpfigen Fanfarenzug. Brechen die Musiker zusammen oder stürzen derart unglücklich, dass Instrumentenmundstücke Gaumenzäppchen in Großhirne zimmern und folglich die Musik stoppt, fliegen fünf von vier auf die Sessel. Wer vorbeifliegt, fliegt raus.

Dass es auch anders geht, zeigten fünf Herrschaften im besten Jerusalem-Alter unlängst in der Folge des Premierenzinnobers 6 HERRENGEDECKE und ein Sessel aus Plüsch. Federleicht und mit einem Hauch von Übermut interpretierten sie das jahrtausendealte Regelwerk neu und verzichteten nicht nur auf den hundertköpfigen Fanfarenzug, sondern auch auf alle Sessel bis auf einen.

Da Viktor Vaudeville zu diesem Zeitpunkt den Salon bereits verlassen hatte, um die Herren Roberts zu einem abgelegenen Bauernhof zu chauffieren, wo sie nach alter kasachischer Art den Erfolg des Abends zu feiern gedachten, fand ich mich nach vorübergehender Absenz plötzlich in vertrauter Runde wieder, woran auch Sinems Halterlose, die wenige Minuten vor Mitternacht endgültig kapituliert hatten, nicht ganz unschuldig waren. Doch nicht nur deshalb gingen die ersten beiden Runden an die beschlipsten Herren.

Zufall? Keinesfalls! Denn Herr Grob befand sich in der Form seines Lebens und Herr Winkel war vollkommen nüchtern, wenn man einmal von der Rheinhessischen Poulardenbrust absah, die er am frühen Abend in den Zornheimer Weinstuben gespeist hatte.

Dank seiner Drohung, zu einem Amoklauf anzusetzen, falls er nicht die nächste Runde gewänne, gewann Herr Fitz übrigens die nächste Runde. Danach, ladies first, war schließlich FrauvonWelt an der Reihe.

Auf ihren Hinweis auf den einst von Thutmosis IV. in altägyptischen Sandstein gemeißelten Sinnspruch “Die Vierten werden die Ersten sein” wurde sie umgehend zur Königin der Nacht erklärt und bot mir huldvoll einen Sitzplatz an.

Fotos: MC Bouchon

17 Kommentare zu “Reise nach Jerusalem (was nach Mitternacht wirklich geschah)”


  1. Ja. Ist ja gut! Reibt nur immer weiter Salz in meine offene Wunde.
    Macht mir doch nix.

    Menno.

  2. 2Fräulein Landei

    Frau Vivaldi, schließe mich ihrem Kommentar ohne weiteres an.

  3. 3Jesus Latschen

    Jerusalem, da könnte ich auch mal wieder hin.

  4. 4Westpfalz-Johnny

    Herr Winkelsen, um welches Nike-Modell handelt es sich hier?

  5. 5Franz v.Hahn

    …und was geschah dann in der Nacht?
    “Köigin der Nacht” ja,ja…und das auch noch zu viert.
    Also wirklich!

  6. Lieber Herr v. Hahn, das Spiel hieß “Reise nach Jerusalem” und nicht “Ringelpiez mit Anfassen”.

    Herzlich und klarstellend
    Ihre FrauvonWelt

  7. Der Herr Grob spielt ja auch immer mit sich selbst Plumpsack, da ist der natürlich großartig vorbereitet. Ich hätte Sie natürlich aber alle geschlagen!

  8. 8Dr.Holz

    Werter Herr Schoss,

    ich nehme dann Spundekäse mit Brezel dazu einen
    Chardonnay St.Alban.

    Vorzüglichst
    Dr.Holz

    Ps.: Die Briefmarke der Büchersendung “6 Herrengedecke”
    toll.Fragen Sie die Königin der Nacht.

  9. 9Franz v.Hahn

    Werte FrauvonWelt. Gottseidank. Ich entschuldige mich in aller Form! Da ist mir doch tatsächlich die Phantasie durchgegangen.

  10. Mist, und ich habs nicht gesehen. War wohl draussen beim Rauchen.

  11. 11Erdge Schoss

    Sie, liebe Fräuleins Vivaldi und Landei, hätten den Salon zum Leuchten gebracht!

    Jerusalem, werter Herr Latschen, ist stets eine Reise wert.

    Gut, werter Herr Johnny, dass Sie das mich nicht fragten.

    Das, werter Herr von Hahn, weiß FrauvonWelt wahrscheinlich am besten.

    FrauvonWelt!

    Das, liebes Fräulein Johanna, lässt sich auf Distanz ja sehr einfach sagen …

    Für Sie, werter Herr Holz, machen wir selbstverständlich eine Ausnahme. Und die Briefmarke lasse ich mir sofort schicken!

    Seien Sie unbesorgt, werter Herr Kaal, selbst im Salon sollen einige Herrschaften das nicht mitbekommen haben angesichts der quasi unglaublichen Rasanz.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  12. also zunächst mal hat hr. v. hahn tatsächlich mal sekundenschnell ringelpietz mit anfassen gespielt. jawoll! ich war zeuge und es tat ein wenig weh. aber das ist glaub ich beim erstenmal ja immer so. dann frage ich mich seit diesem event tatsächlich, wieso hr. victor während seines fabelhaften gigs schnick-schnack-schnuck gespielt hat?! das gehörte bestimmt zur bühnenshow. verrückte welt, aber eine schöne!

  13. an Reise nach Jerusalem kann ich mich gar nicht erinnern. da habe ich wohl gerade allein teekesselchen gespielt

  14. 14Franz v.Hahn

    Ich dachte das, liebes Fräulein Wombat, bliebe auf ewig unser geheimnis. Wie steh´ ich denn jetzt da….

  15. Prinzipiell moechte ich einwerfen, dass ich ueberhaupt nichts gegen sx Damengedecke haette, natuerlich entsprechend ansprechend ausgestattet, wohl riechend und – aber das ja nur so ein spontaner Gedanke, den Sie nicht weiterverfolgen muessen – selbstreinigend!

    À bientôt! Audrii

  16. *psssssst* hr. v. hahn, nicht so laut. das hat hier ohnehin jeder überlesen. sie stehen fabelhaft da. ein richtiger mann. mit schal.

  17. 17Fräulein Landei

    Hach Herr Schoss, machen Sie es ruhig immer schlimmer!

    @ Fräulein Wombat: Ganz unter uns – ich hab es nicht überlesen, habe mir nur die Höflichkeit des Nichtkommentierens erlaubt. ;-)

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