Ylang Ylang

Wenn ich Altöl entsorge, geht nach wie vor nichts über Bergamotte. Ein universeller Duft, der rund ums Jahr für beschwingte Stimmung sorgt und Müllwerker zum Ausfallschritt animiert. Jüngst aber kam ich mit den Aromen durcheinander und peppte das schwarzsämig suppende Gold mit Ylang Ylang auf, bekannt für seine radikal aphrodisierende Wirkung. Und so kam es dann auch.

Schon beim Rüberrollen zum Mülltransporter blickte der Herr in Orange nicht wie gewohnt und ließ die Tonne nicht aus dem Blick. Kaum geleert, drehte er sie behutsam um die eigene Achse und rollte sie, sehnsüchtig seufzend, zurück an ihren Platz. Ein kurzer Gruß noch, dann ging er von dannen – und machte nach ein paar Schritten kehrt, stürmte auf sie zu und ihr um den Deckel, schmachtend und drängend, schäumend vor Glück, heiße Liebe gestehend.

Ihr ging das alles jedoch viel zu schnell. Sie fühlte sich überrumpelt und irgendwie – leer. In den einsetzenden Nieselregen hinein schwor er, alles für sie aufzugeben, alle Brücken hinter sich abzubrechen. Was zählte das schon, wo es doch sie gab und ihn?

Wie er so quer hing auf ihr, das sah seltsam aus, meinte nicht nur ich, sondern auch sein Kollege, zusehends ungeduldig. Bis mit Blitz und Donner Sturzregen niederprasselte und Romeo auf der Tonne fast wegspülte. Ich hörte nicht, was sein Kollege schrie, doch es muss so unmissverständlich sein, dass er sie plötzlich entließ, ihr entsagte, ein letzter Blick, dann sprang er auf – und entschwand im kaskadengleich herabstürzenden Nass.

2 Kommentare zu “Ylang Ylang”


  1. 1Erdge Schoss

    amp / Website (4.7.07 10:54)
    großartige idee! ich werde mal meinen karren mit ylang ylang betröpfeln, vielleicht wird der karosseriebauer dann völlig betört nicht mehr vom wagen lassen?
    oder dem anderen karren was davon unter die motorhaube träufeln und mal sehen, ob das den tüv-boy milder stimmt…

    FrauvonSüdsee / Website (4.7.07 11:42)
    Mülltonne sein, das wär’s.

    Dr. Walter Waßmuth (4.7.07 12:12)
    Sehr geehrter Herr Schoss,
    ist Ihnen eigentlich aufgefallen, wie spät ich gestern war mit meiner Nachricht. Nach zehn. Und wo war ich? Im Büro, ich Idiot!
    Abteilungsleitertreffen, nur Fachgespräche, da werden Sie weich in der Birne. Vier Stunden Scheißdreck in einer Tour, als ob das auch nur irgendwen interessiert. Und das Beste: auch noch alles nach Dienstschluss. Aber nicht direkt nach 16 Uhr, wenn ich normalerweise Gummi gebe, sondern erst um 18 Uhr, also zwei Stunden dazwischen. Was kann man denn da anderes machen, als sich mal schön einen schon mal zu geben, wohlseinsmäßig, Sie wissen schon. Aber das hilft nur minimal, wenn Sie so eine vertrocknete Runde flott machen wollen. Das können Sie vergessen. Selbst Spitzenwitze ziehen da Nullkommanull. Ich hab zwei, drei erzählt, keine Reaktion, dann hab ich es gelassen und lieber aus dem Fenster gekuckt oder Finger gezählt. Jetzt bin ich die Tage auch mal in Hundefäkal hineingelatscht, was in der Hauptstadt kein Problem ist, das war teils noch an meiner Sandale dran, dann aber ab, weil der Aktenkoffer von meinem Sitznachbarn sehr praktisch stand. Ich hab sehr gelenkige Fußgelenke, ein Wisch, und alles wieder gut. So, ich hab jetzt Hunger und reite mal rüber zum Italiener, weil den Mist in der Kantine, den können Sie nicht mal dem Hund geben.
    Ihr Walter Waßmuth

    mcwinkel / Website (4.7.07 14:07)
    Immerhin!

    Erdge Schoss / Website (4.7.07 14:57)
    Liebes Fräulein Amp, danke. Dank dieser Idee konnte ich meinen ursprünglich aus kpnstlerischen Gründen angehäuften Altölbestand um fast die Hälfte reduzieren, was eine ganze Menge ist. Die Chancen, auch karosserieseits mit Ylang Ylang zu punkten dürften nicht schlecht stehen. Seien Sie aber auf der Hut vor ungewollter Aphrodisierung, schnell ist was passiert …

    Liebe FrauvonWelt, auch in dieser trefflichen Verkleidung sind Sie immer noch FrauvonWelt.

    Werter Herr Waßmuth, eine Frage bleibt noch: Wie war’s in der Uckermark?

    Werter Herr Winkelsen, so ist das mit der Liebe. Mal fällt sie dahin, mal da. Sie kennen das ja …

    Goggi / Website (4.7.07 16:36)
    Schlimm. Ich meine: Es ist ja ok, wenn sich Pärchen aus Lust verhauen, oder es soll sogar welche geben, die während dem Akt der Liebe miteinander reden… aber DAS!

    annabell / Website (4.7.07 18:13)
    Habe sie es mal auf dem herkömmlich legal weg probiert? dann brauchen sie auch nicht ihren Müll mit übelst, riechende Düfte zu versehen. Und ein ganz großes Plus wäre da noch ihr beruhigtes Gewissen, was bei solchen Aktionen ja furchtbar, schlimme Leiden aushalten muss. Denken sie nur das könnte bedeuten das auch ihre Kinder ein ganzes Leben lang glücklich sein könnten ohne das unsere Welt zu Grunde geht ;-)
    Oder sie besorgen sich eine Katze, der Kot von denen stinkt so penetrant das sie keine anderen Düfte mehr brauchen.

    FrauvonSüdsee / Website (4.7.07 18:35)
    Herr Schoss, nehmen Sie Schmitzkatze als Bergamotteersatz. Die Idee hat Entwicklungspotenzial.

    Stockfisch / Website (4.7.07 23:53)
    Das ham wer gerne. Arme Müllwerker hereinlegen. Was wird seine Frau sagen wenn er nach Hause kommt hm?

    Erdge Schoss / Website (5.7.07 08:45)
    Werter Herr Goggi, so geht’s eben. Und warum? Weil die Liebe keine Grenzen kennt.

    Liebes Fräulein Annabell, wissen Sie, was herkömmliche Altölentsorgung hierzulande kostet? Da müssen Sie nicht nur mit einem Silberlöffel im Mund geboren sein, sondern mit einem ganzen Besteckkasten.
    Und was die Katze anbelangt: ich bevorzuge ja eher Einweglösungen.

    Liebe FrauvonWelt, Sie Rabiate, das kann ich dem Grundguten nicht antun. Oder doch?

    Werter Herr Stockfisch, wie gesagt, es geschah voll und ganz unbeabsichtigt …

    banana (5.7.07 10:16)
    Manchmal ist es wirklich etwas traurig, dass man Leidenschaft auf die chemischen Ursachen hin analysieren kann. Wir sind Sklaven unseres Körpers.
    Aber die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht!
    Andererseits gibt es ja auch Menschen, die lieben ihr Auto. Ja auch körperlich. Oder das World Trade Center. Vielleicht war das mit der Tonne doch wahre Liebe und die Duftbeigabe hat ursächlich damit gar nichts zu tun?

  1. [...] Hausbewohner aus dem Erdgeschoss rechts die Bühne und berichtete aus seinem Leben. Da ging es um Altöl, Handwerker und natürlich die lieben Nachbarn und ihre Geschäftsidee. Gebannt lauschten die [...]

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