Archiv für Januar, 2012
31. Januar 2012 von Erdge Schoss
Fest wie Kokosnüsse im Wind hatten Juanitas Brüste Bruno vor mehr als einem Jahr wieder Lebensmut geschenkt. Seitdem hatte er vielfach um deren Hand angehalten bei ihrem Vater, dem Vorsteher eines Dorfes im Südosten von Tobago, der zwar nicht stumm war, dafür aber taub, weswegen sich Bruno die vielen Worte hätte sparen können. Zumal Hessisch nie auf dem Stundenplan der örtlichen Schule für Lippenlesen stand.
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Charles Candalaba vermisst seinen Kumpan Montgolfier Moshammer, der derzeit aus Fiskalgründen in Britannien weilt, hofft aber inständig, dass dieser rechtzeitig zu Schopenhauers Geburts- oder Todestag am 22. Februar wieder in Mainhattan weilt, um gemeinsam mit ihm Afterärzte zu verfluchen eingedenk des schmerzhaften Eingriffs, den Candalaba unlängst über sich ergehen lassen musste.
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Der überraschende Wintereinbruch nötigte Brunner zur neuerlichen Absage einer Wehrsportübung der Natur Pfreunde Düsseldorf. Was der Schüttlers Rudi, der korpulente Herr Alfred und der Rest des Packs zum Anlass nahm, die gesamte Übung in die Gartenlaube des stellvertretenden Parteivorsitzenden zu verlegen, worauf Brunner plötzlich doch wieder dabei war mit zwei Kanistern Hitler-Punsch.
30. Januar 2012 von Erdge Schoss
Glucksend vor Freude stülpten Arpia und Kasuist Kümmelspalter die Pudelmützen über. Geschenke erhielten sie nicht oft. Selbst gegenseitig beschenkten sie sich an Feiertagen nur ausnahmsweise.
So saßen sie nebeneinander auf der Couch im gut geheizten Wohnzimmer – und bekamen einen Wimpernschlag derart einen gefunkt, dass die Mützen rot glühten. Der Widerschein erhellte den Hof. Selma sah, dass die Fernsteuerung funktionierte und drehte auf Vollgas. Die nächsten 750 Volt aus den eingenähten Defillibratoren bügelte die Kümmelspalters press in die Polster und sie sahen gewittergleich Dinge, die sie nie zuvor gesehen hatten.
Während Kasuist sich auf der Erdumlaufbahn wähnte mit nichts bekleidet als einem Leitzordner aus reinem Polyester, glaubte sich Arpia als zuckendes Biest an Caligulas Seite inmitten eines historischen Gangbangs und verspürte plötzlichen Heißhunger auf Otterzunge in Aspik.
29. Januar 2012 von Erdge Schoss
Kasuist und Arpia Kümmelspalter staunten nicht schlecht, als sie das liebevoll eingepackte Geschenk vor der Haustür entdeckten.
Nachdem beide sorgfältig ihre Mäntel aufgehängt und die Straßenschuhe gegen Filzpuschen im Partnerlook getauscht hatten, begaben sie sich ins Wohnzimmer. Kasuist knipste die Stehlampe in der Zimmerecke sowie das Lämpchen auf dem Beistelltisch an. Ihr Stimmungslicht für besondere Augenblicke.
Freudestrahlend legte Arpia die Geschenke auf den Couchtisch: zwei Pudelmützen.
28. Januar 2012 von Erdge Schoss
Versöhnen statt spalten. Und so packte Selma ein Geschenk, das die neuen Mieter beruhigen sollte.
Am Nachmittag desselben Tags drapierte sie es vor dem Eingang zur Wohnung der Kümmelspalters. Geziert von güldenen Schleifchen und hübschem Geschenkpapier sollte es seine Wirkung nicht verfehlen.
27. Januar 2012 von Erdge Schoss
Mit dem Wechseln der Glühbirne und dem zweifachen Bewegen des Wasserhahns der Toilettenspülung war es nicht getan. Die Kümmelspalters ließen nicht locker.
Als zwei Tage später wieder in der Morgendämmerung die Klingel ging, blieb Selma im Bett und ließ es klingeln, bis Schluss mit Klingeln war. Nach dem morgendlichen Kaffee zwei Stunden später entdeckte sie vor der Hautür den nächsten Aktenordner mit einer überarbeiteten Mängelliste nebst Schreiben.
Selma riss den Umschlag auf und las, wobei es zunächst keinen Grund zur Aufregung gab, da sich die neuen Mieter aufs Allerherzlichste für die Behebung der ersten Mängel bedankten – und im nächsten Absatz Mietkürzung androhten für den Fall, dass die ungleichmäßigen Abstände der Nägel im Dielenboden nicht binnen Wochenfrist korrigiert werden.
Selma schloss die Augen, atmete tief durch, verweilte, öffnete wieder die Augen und schickte Blickblitze über den Hof hinüber zur Scheune, wo die Kümmelspalters jede Sekunde ihrer Freizeit damit verbrachten über Dinge zu mäkeln, die Selma in hundert Jahren nicht gestört hätten.
Warum wohnten sie nicht einfach in dem herrlichen Ambiente, für dessen akkurate Fertigung der wunderbare Henri persönlich gesorgt hatte? Noch immer wusste dieser nichts von dem Ungemach, das die Kümmelspalters über den Winzerhof brachten. Aus gutem Grund, da Selma Henris Genesung nach den schrecklichen Ereignissen nicht gefährden wollte, wohlwissend, dass schon der geringste Anlass Anlass genug sein konnte, um ihm wieder alle Sicherungen aus der Elektrik zu hauen.
26. Januar 2012 von Erdge Schoss

darf ich Dich wissen lassen, dass ich unendlich glücklich bin, Dir mitteilen zu dürfen, dass die Überfahrt nach Großbritannien weniger beschwerlich war als befürchtet.
Im letzten Moment gelang es, vor den Häschern des höchsten Zahlenknechts zu fliehen, der Niederlassung in Offenbach zuvorzukommen und mit einer gepflegten Privatinsolvenz das Horribelste zu bannen.
Sei unbesorgt. Alle Reichtümer, so bescheiden sie sein mögen, befinden sich nun in der Obhut meiner liebenswerten Großmutter, die geschwind unterschrieb, bevor die Schergen ihre dunklen Drecksgriffel streckten. Sie fragte nicht, sondern tat, was ihr Herz befahl. Zudem fällt ihr das Lesen schwer, seitdem sie nichts mehr sieht.
Doch das soll dich nicht kümmern hier und jetzt. Ich bin wohlbehalten. In Engeland schenkt man in großen Bechern randvoll und selbst nach der Sperrstunde bleibt hinter verschlossenen Türen keine Kehle trocken. So will ich unbenommen des Aufstoßens ein Lied anstimmen, das schwingen soll übers Meer, Dir zu Ehren und Deiner champagnerfarbenen Seidenunterwäsche.
In ewiger Liebe
Dein Montgolfier