Seine Leidenschaft war der Reim

Am späten Abend des Rosenmontags machten Bühnenarbeiter im Partykeller eines ortsansässigen Fastnachtsvereins einen grausigen Fund.

Herr Alfred scheute stets das Sonnenlicht und hatte einen weichen Händedruck. Er wohnte allein im schattigen Souterrain eines sanierungsbedürftigen Hinterhauses in Sachsenhausen, sprach nur selten und dann mit leiser Stimme. Seine runde Gemütlichkeit wirkte auf Umstehende beruhigend. Seine Leidenschaft war der Reim. Seit mehr als einem Jahrzehnt hatte er den finalen Jokus verfasst, der die Sonntagssitzung der National Sozialfloralen Division Arischer Panflötenverächter, kurz NSDAP, unter brüllendem Gelächter beschloss.

Und da saß er nun, grotesk gezwängt in den Hohlraum der Rednerbütte, mit porzellanweißer Haut, weit aufgerissenen Augen und einer Narrenkappe im Schlund, an der er mutmaßlich erstickte. Zu seiner Rechten lag ein Abschiedsbrief, in dem er erklärte, nicht einen seiner Schüttelreime für witzig gehalten und Fastnacht nie gemocht zu haben.

Dr. Giselher Alviss, dem zeitweise ein Verhältnis mit Herrn Alfred nachgesagt wurde, erschien zuerst am Tatort. Allerdings rein zufällig, da er bei einem vorgeblich arischen Ritual auf der Herrentoilette neben dem Partykeller seine Uhr verloren hatte. Geistesgegenwärtig konfiszierte er den Brief und informierte per Feldtelefon den Schüttlers Rudi, der als Parteivorsitzender der Natur Pfreunde Düsseldorf (NPD) die Vorbereitungen für ein Ehrenbegräbnis traf.

13 Kommentare zu “Seine Leidenschaft war der Reim”


  1. 1Dr.Übelhoehr

    Sehr geehrter Herr Schoss,

    wurde der Verfassungsschutz Informiert?

    Herzlichst
    Ihr Uebelhoehr

  2. 2Benedetto

    Tapferkeitsmedaille gibt es keine?

  3. 3Pater Braun

    An Narrenkappen sollen schon viele erstickt sein, Herr Schoss.

    Ihr Pater Braun

  4. 4Silvia von Schweden

    Schon wieder ein Poet, den es dahingerafft hat. Passt er in einen Standardsarg oder braucht er ein Modell in Sondergröße, Herr Schoss?

  5. 5textorama

    Ich werter Herr Schoss, las zunächst “erschien im Tatort”. Das hat mich verwirrt, zumal die Sache mit dem Verhältnis zur runden Gemütlichkeit noch ungut nachklang und die fantasie flugs, noch ehe ich einschreiten konnte, die Angelrute auswarf und in trüben Gewässern nach Absonderlichkeit fischte.

    Und wieder ein Genie (Reimkönig) vor den Karren der Idiotie (Naturfreundliche Panflötenverkoster) gespannt.

    Ihr textorama

  6. 6Banquo

    Lieber Herr Schoss,

    in Faschingsgewittern starb er den Heldentod fürs Vaterland, m.E. ein nachzueiferndes Vorbild für alle Ponyfreunde aus Düsseldorf.

    Jünger als Ernst
    Banquo

  7. 7anja

    weicher händedruck, lieber herr schoss, geht schon mal gar nicht.

    herzlich und klappe auf und klappe zu
    anja

  8. 8Erdge Schoss

    Dieser, werter Herr Doktor, sowie die deutsche Telekom, die Geschäftsleitung des Panoramabads Bornheim sowie die Weight Watchers Mainhattan.

    Im Leben, werter Herr Benedetto, schaffte es Herr Alfred schon nicht in die Medaillenränge. Zudem sind nach Darstellung des eigentlichen Parteivorsitzenden Prof. Gert-Gunnar Bölthorn die Edelmetallreserven der Partei praktisch aufgebraucht.

    Aber, werter Pater Braun, bislang niemand aus der Spaßfraktion der NPD.

    Mehrheitlich, liebe Frau von Schweden, sollen die Natur Pfreunde beschlossen haben, dass Herr Alfred in ein handelsübliches Geviert passt. Sollte er nicht passen, wird er passend gemacht.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  9. 9Erdge Schoss

    Dann, werter Herr textorama, waren es also Sie, der seinerzeit die Gerüchte über das Kameradschaftsgehabe von Herrn Dr. Alviss in die Welt setzte?

    Pfeilgerade so, werter Herr Banquo, wird es die Parteileitung verkaufen. In Ermangelung einer fronttauglichen Flak überlegt die Parteileitung derzeit übrigens, ob ein Salut mit der Wasserpistole auch reicht.

    Was, liebes Fräulein Anja, Herr Alfred wahrscheinlich nicht mehr abstreiten wird.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  10. 10textorama

    Ich sager nicht ja, werter Herr Schoss. Ich sage aber auch nicht nö.

    Mehr oder weniger geheimnisvoll.
    Ihr textorama

  11. 11Banquo

    Lieber Herr Schoss,

    wie ich höre will Brunner mit seiner aus Smarties-Dosen selbstgebastelten Panflöte die tinnitusreife Version von “Alte Kameraden” anstimmen, da rauschen dann wohl keine Wildgänse mehr durch die Nacht.

    Ein würdiger Abschluss
    Banquo

  12. 12Erdge Schoss

    Brillant, werter Herr textorama, und dehnbar in alle Himmelsrichtungen. Wie wär’s mit Bellevue?

    Geübt, werter Herr Banquo, hat Brunner angeblich seit Jahren und schafft unfallfrei mittlerweile eine kleine Terz.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  13. 13textorama

    König von Deutschland? à la Rio Reiser? Ich wäre dabei, werter Herr Schoss. Und zwar sowas von.

    Auf nach Bellevue!
    Banzai!
    Ihr textorama

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