2.000 Megavolt (35)

Duttmaier ist sauer. Die von polnischen Lebendviehtransportern abmontierten Altreifen der jüngsten Lieferung aus Osteuropa sind zwei Nummern zu groß.

Tröstlich: wenigstens die mitgelieferten knapp vier Kilometer ummantelter Kupferdraht hielten, was sie versprachen. Beim nächtlichen Abbrennen der Ummantelungen im Innenhof gewann Duttmaier ausreichend Material, um die nächste Stromrechnung begleichen zu können, was aufgrund der klebrigen Schwaden den bei offenem Fenster schlafenden Mietern eine unruhige Nacht verschaffte und die toxische Belastung in den umliegenden Häusern kurzzeitig auf das Zwanzigfache steigerte. Duttmaier selbst bekam davon praktisch nichts mit, da er wegen des Rauchs, der Dämpfe sowie der hohen Temperaturen vorübergehend unter Wahrnehmungsstörungen litt.

Wahrnehmungsstörungen übrigens, die Duttmaier so oder so ähnlich den Forschern des CERN unterstellt, die in der vergangenen Woche behaupteten, erstmals in der Menschheitsgeschichte Dunkle Materie beobachtet zu haben, was der Lichtgestalt unter den hessischen Elektromeistern nach eigener Darstellung “nicht mal ein müdes Arschrunzeln” entlockte. Gehört er doch der extremistischen Bewegung der so genannten Modifizierten Newtonschen Dynamik an, die das Ganze für ausgemachten Scheißdreck hält und, falls überhaupt, als einzig verbürgte Dunkle Materie Averna auf Eis akzeptiert.

7 Kommentare zu “2.000 Megavolt (35)”


  1. 1Benedetto

    Für einen, der mehrfach zur faulsten Sau des hessischen Elektrohandwerks gekürt wurde, legt Dutti einen bemerkenswerten Tatendrang an den Tag. Läuft es in der Ehe nicht mehr so?

  2. 2Pater Braun

    Nun weiss ich auch die Schlagzeile in der Tagespresse aus Duttis Heimatstadt vom Folgetag zu deuten.
    “Macht der Vulkan Eyjafjallajökull wieder Ärger? Erneut Aschewolke und hohe Konzentration an Giftstoffen in der Atmosphäre”.

    Dutti gibt Gas, sozusagen.

    Ihr Pater Braun

  3. Ich habe ja erst kürzlich beim Rasenmähen auch eines dieser Gottesteilchen gefunden, werter Herr Schoss. Darf mir seitdem von ihm anhören, dass die Erde erst 7000 Jahre alt ist und ich endlich meine Heavy Metal-Sammlung verbrennen soll. Ich weiß wirklich nicht, was an dem Ding so spektakulär toll sein soll.

  4. 4Silvia von Schweden

    Kann man ihm nicht den Nobelpreis einfach so verleihen, bevor er uns alle in die Umlaufbahn sprengt, Herr Schoss?

  5. 5Banquo

    Lieber Herr Schoss,

    wenn ich die Wahl habe, ob ich einem ordentlichen und bodenständigen deutschen Elektromeister mit Zirkuselefantenbesamungsanlage oder ein paar durchgekifften Hottentotten, die den ganzen Tag nur World of Warcraft in Schweizer Atombunkern zocken, Glauben schenken soll, da werde ich dann doch ein wenig indifferent beim Thema “dunkle Materie”. Aber gegen eine Freifahrt auf dem Rundkurs hätte ich nichts einzuwenden.

    Im Zweierbob
    Banquo

  6. 6textorama

    Gottesteilchen liegen hier zu Hauf herum, werter Herr Schoss. Uralt, natürlich. Und genauso natürlich war´s wieder mal keiner.
    Ansonsten kann ich Frau von Schwedens Vorschlag nur unterstützen.

    Ihr textorama

  7. 7Erdge Schoss

    War, werter Herr Benedetto, Sublimierung nicht seit jeher Triebfeder des Fortschritts?

    Als alter Nachtabfackler, werter Pater Braun, achtete Duttmaier penibel auf den Zustand des Nachthimmels und nutzte mangelnde Beleuchtung infolge starker Quellbewölkung aufs, wenn man so will, Trefflichste.

    Fräulein Palin, werter Herr Inishmore, war’s aber nicht, oder doch?

    Könnte, liebe Frau von Schweden, man schon. Vielleicht tut’s aber auch ein Scheißdreckswimpel mit Duttmaiers Namen drauf.

    Ausgezeichnet, werter Herr Banquo! Sie lenken, ich bediene die Bar!

    Unter diesen Umständen, werter Herr textorama, kann es nur einer gewesen sein: Nietzsche.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

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