Boris sucht Frau (7 / Fast zwei Meter)
Am vergangenen Wochenende erwarb Boris eine Hirtenflöte. Mit dem Klang des Instruments will er die Geister des nach wie vor leeren Kühlschranks positiv stimmen, damit sie endlich was reinlegen.
Da Boris in der Fertigkeit des Spiels jedoch gänzlich ungeübt war und außer einem Platzpatronencolt noch nie ein Instrument besaß, besorgte er sich ein Lernbuch. Denn die Geister wollte er mit schrägen Tönen keinesfalls verstimmen.
Was eine gewichtige Herausforderung war, nicht nur musikalisch, sondern im ureigenen Wortsinn, hatte Boris sich doch nicht für eine handliche Panflöte entschieden, sondern für den slowakischen Cousin des Instruments, die Fujara, einen fast zwei Meter langen Prügel aus Hohlholz mit Mundstück in der Mitte.






In den Obertönen, Herr Schoss, klingt das “Instrument” bisweilen ein wenig scharf und, glauben Sie uns, dennoch wenig erotisierend. Man kann das Holz aber – eins-zwei-drei – schnell durchbrechen, anzünden und zu einem romantischen Feuer anrichten, um das versammelte Weibsvolk dann doch noch rum zu kriegen. Klappt!
Ist in Boris’ Mietskaserne Musizieren überhaupt erlaubt?
Sehr geehrter Herr Schoss,
bei mir um die Ecke,in der Volkshochschule,gibt es im Herbst einen Kurs für Anfänger unter dem Motto “Fujara Blasen als Erotikum” unter der Leitung von Frau Hrdlickaya.Das Instrument ist mitzubringen.
Herzlichst Ihr
Uebelhoehr
Hohlholz pfeift gut, werter Herr Schoss. Insofern: alle Daumen in die Löcher für Boris!
So haben schon einige Weltkarrieren begonnen, Herr Schoss!
“Junge Menschen die das Blasen lernen wollen.” Kennt man ja. “Instrumente werden gestellt.” Kennt man auch. “Wer für die Noten nocht keinen Ständer hat, holt sich oben einen runter.” Gängige Methodik. Aber “Erotisierender Langholzprügel mit Mundstück in der Mitte…”, also das ist mal was Neues.
Wieder was dazu gelernt.
Ihr textorama
“zwei meter prügel” klingt doch vielversprechend, lieber herr schoss. vielleicht hilft ihm das den mutterkomplex loszuwerden.
Da Boris’ Zunge, werte Herren Roberts, aufgrund einer Kette unglücklicher Ereignisse seit heute Morgen das Mundstück verstopft, ist an Minnedienst aktuell nicht zu denken. Vom romantischen Feuer ganz zu schweigen.
Das, werter Herr Benedetto, wird sich noch zeigen.
Ausgezeichnet, werter Herr Doktor! Boris wird sich mit Ihnen telefonisch in Verbindung setzen, sobald die Zunge nicht mehr im Mundstück steckt.
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Hilft das, werter Herr Inishmore, auch bei Verstopfung?
Und Rückschläge, liebe Frau von Schweden, bringen wahre Künstler stets voran, gelegentlich.
So, werter Herr textorama, sieht Boris es auch. Sollte sich dann noch der Kühlschrank wie von Geisterhand füllen, wäre das Paradies nur noch eine Zungenlänge entfernt.
Für den Moment, werter Herr Oliver, täte es schon die Zunge aus dem Mundstück.
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Lieber Herr Schoss,
ein interessantes Instrument. Ich würde gerne sehen und hören, wie Boris den Zwei-Meter-Trumm – nach alter Schafhütertradition mit einer Augenbinde über dem Kopf – auf dem Liegerad fahrend im Frankfurter Berufsverkehr intoniert.
Wunschmelodie “Der überfahrene Hirte”
Banquo
Die Fujara gleicht von der Optik her einem abgewetzten Eselspenis. Etwas worauf wohl nicht wirklich jemand blasen möchte. Obwohl, Betty Blasebalg aus dem Pupu la Musch wäre es zuzutrauen.
Ihr Pater Braun
Ich, werter Pater, will jetzt aber nicht wissen woher Sie das wissen. Oder will ich doch?
Vom Hörenblasen?
Ihr textorama
Ich hörte es von Herrn Schoss, Herr textorama. Dieser wiederum von einem Informanten dessen Name hier nicht erwähnt werden soll.
Ihr Pater Braun
Erste Feldversuche, werter Herr Banquo, führte Boris angeblich schon in einer Sackgasse unweit der Bergerstraße durch, konnte jedoch unerkannt entkommen, was Zusatzschichten für die Vollkaskoabteilung einiger Versicherungsunternehmen bedeutet. “Der überfahrene Hirte” im slowakischen Original oder in der Übersetzung Vollrad Wollwebers, des Unvollendeten?
Aha, werter Pater Braun! Dann war also ich es, der seinerzeit mit Fräulein Betty anlässlich einer Sondervorstellung vor Würdenträgern der Diözese eine Neuinterpretation der Zauberflöte darbot?
Herzlich
Ihr Erdge Schoss