Boris sucht Frau (13 / Die hessische Zunge)
Dort die Seine und Madelaines, da der Main mit Rippchen mit Kraut. Für Naomi waren die ersten Tage in Mainhattan nicht einfach, obwohl der Klang der hessischen Zunge sie ans Französische erinnerte.
Warum auch nicht, wirkte die Mainzer Republik auf die Region doch deutlich länger, als sie tatsächlich bestand. Was die mediterrane Gelassenheit der Bürger bis zum heutigen Tag erklären mag, zugleich jetzt aber nur ein gelinder Trost war, da sie kein Wort verstand. Weswegen sie an jenem schicksalhaften Abend, an dem Boris’ Zunge sich im Mundstück einer slowakischen Hirtenflöte verfing, nicht den Trubel der Nacht genoss, sondern ein Stockwerk tiefer ein panisches Klopfen hörte. So panisch, dass sie den Notruf rief und anschließend sah, wie Rettungssanitäter eine Gestalt von einem mannshoch im Türrahmen verkeilten Blasinstrument befreiten.
Eine Gestalt, die augenscheinlich aus tiefster Leidenschaft Höllenqualen auf sich nahm für die Muse. Ein Klangbildner, der bis zum Äußersten ging. Unbenommen seiner fragwürdigen Erscheinung in schlecht sitzenden Jeans, dem Pullunder und dem zum Scheitel gequälten Lockenhaar. War er Pans Widergänger?
Naomi fühlte sich bewegter denn je. Sie tat, was das Herz ihr befahl und war auch bei Boris, als er am zweiten Tag nach dem Malheur aus der Klinik entlassen wurde. Argwöhnisch verfolgt von Boris’ Mutter, die die übergroße Handtasche, in der die gusseiserne Paellapfanne steckte, mit glühenden Fingern umkrampfte …






Tscha, mein lieber Schoss, so ist das eben: Wer schön musizieren kann, der darf sogar Pullunder tragen. Sie kennen das.
Auch, werter Herr Markus, Strandhosen?
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Aus tiefstem Schmerz entsteht größte Kunst. Wird Boris mit der Performance auf Welttournee gehen?
Manchmal, werter Herr Schoss, verdienen es die Menschen nicht anders. So, oder aber auch so.
Ihr textorama
Lieber Herr Schoss,
“Sie tat, was das Herz ihr befahl…”
Fräulein Naomi hat ja noch mehr einen an der Klatsche als ich dachte.
Heute extrem romantisch
Banquo
gequischt, geprustet, gelacht herzlichen dank herr banquo.
lieber herr schoss, was machen die morgendlichen balkonischen kniestrumpfbeugen?
herzlich
anja
Naomi heisst “die liebliche”, spricht aber bekannterweise für Streitsucht. Wer weiss, was da noch alles auf Boris und Mama zukommt. Vielleicht ist die Prinzessin ja eine Schäferin mit Wolfspelz,..oder umgekehrt,..oder so ähnlich.
Apropos, die Mainzer Republik. Das waren noch Zeiten.
Ihr Pater Braun
Das, werter Herr Schoss, riecht verdächtige nach einem White-Knuckle-Ride der Gefühle. Einsteigen, anschnallen und Vollgas.
Wenn´s nicht rockt, ist es für den Arsch!
Ihr textorama
Gut möglich, werter Herr Benedetto, wobei die Zunge es angeblich vorzieht, lieber Zuhause zu bleiben.
Wer, werter Herr textorama, hat schon was verdient, selbst als Hautarzt und Konditor?
Vorbildlich, werter Herr Banquo! Wem beliebten Sie heute, den Weg mit Rosenblättern zu vergolden?
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Das, liebes Fräulein Anja, wollen Sie wirklich wissen?
Zu Zeiten, werter Pater Braun, der Mainzer Republik trieben Sie auch schon Ihr Unwesen? Was meinte denn Ludwigs XVI. dazu oder sonst ein Potentat, dem Sie die Hanffelder bestellten?
Pfeilgerade, werter Herr textorama, die Zündschnur der Liebe scheint ja auch schon zu glimmen …
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Lieber Herr Schoss,
momentan schreibe ich noch an meiner Ode an die Menschheit.
Freihändig
Banquo