Boris sucht Frau (14 / Orchesterwerke für slowakische Hirtenflöte)
Auf dem Weg zurück zu Boris’ Wohnung zeigte dieser stumm auf einen Supermarkt auf der anderen Straßenseite, ergriff Naomis Hand und wäre fast von einem Linienbus erfasst worden.
Was für ein wunderlicher Kerl, dachte sie auf Französisch. Nur ein Vollidiot wäre einfach so auf die dicht befahrene Straße gelaufen, oder ein in sein Schaffen vollkommen vertiefter Jahrhundertkünstler, Melodien im Sinn oder ganze Partituren, Orchesterwerke für slowakische Hirtenflöte oder etwas in der Art. Sie sah ihn eindringlich an. War da ein Schatten, der über seinem unbekümmerten Lächeln lag?
Was ein wundersames Wesen, dachte Boris, so schön und so schön und … so schön. Sie musste ein Kühlschrankgeist sein, den er herbeiflöten wollte, rettete sie ihn doch nicht nur vor dem Verhungern und Verdursten, sondern führte ihn jetzt sogar zu einem Lebensmittelgeschäft. Er war schon oft diese Straße entlang gegangen, aber nie zuvor war ihm der Laden aufgefallen.
Überwältigt von der Fülle der Regale und dem hellen Licht überkam Boris eine Urfurcht und er wäre am liebsten wieder zur Tür hinaus geflohen. Wie sein Vater, der sich das Fliehen schenkte und gleich im Wagen sitzen blieb und wartete, während Mutter Aufwärmessen kaufte. Mutter, dachte Boris, was sie wohl gerade tat, wo sie wohl war?
Er hätte sich nur umdrehen müssen und sie gesehen, wie sie mit rotglühenden Augen einen stummen Kampf ausfocht mit dem Filialleiter, der sie mit der übergroßen Handtasche nicht ins Ladeninnere lassen wollte und Sekunden später schwer getroffen auf den pflegeleichten Bodenbelag sank. Was wiederum die Kassenkraft sah und die hauseigenen Sicherheitskräfte alarmierte, die sie nicht ohne Mühe schließlich in den Schwitzkasten nahmen und einer eilends herbeigerufenen Polizeistreife übergaben.






Lieber Herr Schoss,
es sollte mehr Frauen auf dieser Welt geben, welche einem die Augen für bisher übersehene Lebensmitteldiscounter öffnen.
Treuepunkte und Sammelbilder
Banquo
Sie, werter Herr Banquo, sagen es. Auf der anderen Seite, Verliebtheit nacht blind und blöd. Das bekomme ich nicht ganz unter einen Hut mit dem Öffnen der Augen. Ist das wohl das, was man Leben nennt?
Bloß das nicht!
Ihr textorama
lieber herr schoss,
wann wird denn nun endlich durch die laken geturnt?
herzlich
anja
Ich schließe mich der Frau anja an, werter Herr Schoss. Pfeffer unter die Bettdecke, aber rasch rasch.
Mir geht das auch zu langsam. Einer wie Elvis sollte Boris erklären, wo der Hammer hängt.
http://youtu.be/XiWW_7zbfL0
Was, werter Herr Banquo, frage ich Sie, wäre die Welt ohne Sammelbilder? Anstatt für einen begehbaren Kleiderschranks entschied sich unlängst übrigens ein Grüßcousin vierten Grades für eine Bibliothek, um seine Rabattmarkensammlung in den Griff zu bekommen.
Nimmt das Leben, werter Herr textorama, nicht immer wieder die verblüffende Wendungen? Mitunter gar bei Vollgas im fünften Gang auf der Schnellstraße und unverhofft eingelegtem Rückwärtsgang?
Um Himmelswillen, liebes Fräulein Anja, werte Herren Inishmore und Benedetto, bitte bedenken sie und lassen nicht außer acht, dass Boris’ vormalige Begegnung mit einem holden Wesen dank vorschneller Sympathiebekundungen jenseits einer Aussichtsplattform in schwindelnder Höhe endete …
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
Da mögen Sie, weltgewandter Herr Schoss, mal wieder recht haben. Ich dachte mehr an eine kurvenreiche Talfahrt, mit Vollgas und der Entdeckung, das der noch so beherzte Tritt aufs Bremspedal ins Leere geht. Ein Rückwärtsgang wäre da eine schöne Hoffnung.
Wer bremst verliert nicht zwangsläufig.
Ihr textorama
Simd schon Ausflüge geplant?