Wandern, wandern. Wandern solln die andern.

Erdge Schoss, erdgeschosrechts: Schoss spaziert Den Berg hinauf, damit man ihn wieder runterwackelt. Wozu der Scheiß, wenn man gleich unten bleiben kann, ein schönes Restaurant gefunden hat und sich bei Weitblick schön einen reinleuchtet?

Die Kräfte eines Menschenlebens sind begrenzt. Mit mittlerweile Jahren an der Zahl weiß ich, was das heißt. Mut zur Langsamkeit. Und nicht jedem Mist hinterherrennen, nur weil es Reklame dazu gibt.

Ich würde mir eher die Hände abhacken als Schlaufen von Skistöcken darum zu wickeln und mit Plastikstäbchen über den Asphalt zu klackern. Wie das schon aussieht! Sehen diese Deppen sich nicht im Spiegel?

Was nicht den außerordentlichen Respekt vor dem Finnen schmälert, der seine Firma mit dieser fantastischen Idee vor der Insolvenz rettete, aus der Not eine Tugend machte und Legionen durchgeknallter Mobilitätspsychopathen neuen Antrieb verlieh. Wobei auffällig viele Demenzkandidaten zu den lächerlichen Geräten greifen. Zufall oder nicht?

Und die Garderobe. Wer nicht in und mit qua Markendiktat diktierten Leibchen, Hosen, Schuhen, Stirnbändern und Leistungskontrolluhren durch die Gegend eiert, ist gleich unten durch, wird mitleidig belächelt oder offen verhöhnt. Tchibo-Fasern über der schweißnassen Plautze und auch noch entdeckt werden, schlimmer geht’s nicht? Doch, denn bei Aldi und Lidl gibt’s denselben Fummel noch billiger.

Wenn ich aufs Rhönrad steige, was selten genug vorkommt, dann in Bernemer Halblangen in lichtgrau (vormals schwarz), Erbstücke von Großvater Schoss, und trotz jahrzehntelanger Tortur in Waschmaschinen immer noch tiptop. Dazu ein Langarmunterhemd aus Eins-A-Feinripp und Stoffturnschuhe in schwarz oder weiß ohne Edelmarkenetikett. Und dann einfach losrollen. Klappt.

14 Kommentare zu “Wandern, wandern. Wandern solln die andern.”


  1. 1Pater Braun

    Die Bernermer Halblange in lichtgrau, Herr Schoss, das ist ganz großes Kino. Ich fand sowieso das Sie damals in “Das Wunder von Bernem” die beste Figur abgaben.

    Und schimpfen Sie nicht so sehr über die armen Wanderkreaturen mit den Stöckchen. Immer noch besser als mit dem Rollator.

    Ihr Pater Braun

  2. 2anja

    solange, lieber herr schoss, man nicht auf ihrem poschi die schiesserfeinripprechtseingriff sehen kann, ist alles bestens.

    herzlich und obwohl …
    anja

  3. 3Silvia von Schweden

    Ja, die Skandinavier, Herr Schoss!

  4. 4textorama

    Ach, das weckt, werter Herr Schoss, Erinnerungen. So zum Beispiel an die erste selbsterstandene Radhose mit echten Hirschledereinsatz. Der wurde dann, nach einigem Gebrauch und Waschen immer fester, aber nach dem ersten Kilometer was das Ding wieder geschmeidig wie sonst was. Solche Hosen werden heute gar nicht mehr, äh, gebaut. Heute sind die aus “Funktions-Plastik” – sehr zur Erleichterung der Hirsche.

    Genau.
    ihr textorama

  5. 5Benedetto

    Waren Sie nicht eine zeitlang auf dem Rhönrad im weißgoldenen Showanzug unterwegs?

  6. Die Stöcker sind gut gegen Wildschweine!

  7. 7Erdge Schoss

    Damals, werter Pater Braun, war ich ja auch noch ein junger Hüpfer und nicht jeder Schritt eine Herausforderung, auch und gerade, wenn man längst zu Tisch sitzen könnte. Fürchten Sie etwa nicht um ihr Augenlicht, wenn stockwedelnde Zwangsmotoriker in quietschbunten Alarmfarben auf Sie zukarriolen?

    Demnächst, liebes Fräulein Anja, dann also wieder Las Vegas im goldweißen Showhemd? Wenn’s sein soll, auch im Feinripp.

    Ein, liebe Frau von Schweden, tolles Völkchen. Was macht der Lachs?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  8. 8Erdge Schoss

    Ausgezeichnet, werter Herr textorama! Eingedenk Herrn Schnecks vorbildlicher Exerzitien in Hege und Pflege dürfte über kurz oder lang wieder ein stolzer Sechszehnender ins Gras beißen, was ungeahnte Möglichkeiten in Geschmeidigkeit eröffnen könnte.

    Sie, werter Herr Benedetto, meinen das scharfe Glitzerteil, dass ich zur Spritztour mit Fräulein Anja anlegte?

    Waidmanns Heil, bester Herr Schneck! Heute schon was oder wen erlegt?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  9. Eigene sportliche Betätigung außerhalb der eigenen vier Wände ist überhaupt zu verdammen, werter Herr Schoss. Allein schon wegen des in die Öffentlichtkeit getragenen Schweißflusses, der in seiner Niedertracht selbst vor ihren Bernemer Halblangen keinen Halt machen würde.

    Ich erfreue mich etwa aktuell des Abends mit oberkörperfrei ausgeführten, ausgedehnten Rumpfbeugen. Sie glauben nicht, was da am Ende der Session für aus dem Hausboden herausgesogener Dreck am Rücken kleben bleibt. In diese Tiefe steigt kein Staubsauger herab, der Körper ist fit, der Boden lebt wieder.

  10. 10anja

    das kostüm sitzt, die frisur sowieso … lieber herr schoss ich bin bereit für schabernack und zeitvertreib.

    herzlich
    anja

  11. 11Erdge Schoss

    Oberköperfrei, werter Herr Inishmore, am Fenster zur Erquickung der weiblichen Jeunesse? Sie Frauenflüsterer!

    Das Showhemd ist gebügelt, liebes Fräulein Anja, das Rhönrad poliert. Worauf warten wir noch?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  12. 12Banquo

    Lieber Herr Schoss,

    wenn Erotik einen Namen hat oder durch zwei Kleidungsstücke am männlichen Körper definiert wird, dann sage ich nur Schiesser Herrenslip Doppelripp mit Komfort-Elastikbund plus dazu gehörender Feinripp-Sportjacke. Auch wenn ich Sie bisher auf dem Rhönrad nur im fleischfarbenen Spandex Overall gesehen habe.

    War wohl gerade keine Show
    Banquo

  13. 13Erdge Schoss

    Pfeilgerade, werter Herr Banquo, und: das muss während des Trainings gewesen sein.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  14. Danke. Danke, lieber Schoss, damit ist alles gesagt, was man zum Thema Skistocklaufen sagen kann, treffender kann man es nicht formulieren. Die nächste Runde geht auf mich. Riesling?

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