Auferstanden aus Ruinen: Die Geburtstunde der FPD

Montagabend. Kurz vor Mitternacht. Duttmaier sen. hat die Werkstatt aufgesperrt und seinen Sohn Ingo hereingelassen. Die beiden sitzen inmitten des Gerümpels am Schreibtisch.

Eine 30-Watt-Glühbirne erhellt kaum mehr als nichts. Zur rosafarbenen Daunenjacke, die Duttmaier seiner Frau aus dem Kleiderschrank gegen die Kälte in der ungeheizten Werkstatt entführt hat, trägt er noch immer die Insignien des Atompredigers, einen zerschlissenen Blaumann und das goldfarbene Maurerkäppi mit Plastikschirm (Werbegeschenk). Was Ingo gar nicht passt.

“In dem Uffzuch kannste nett President werde.”
“Sach noch ama was gesche mein Uffzuch unn isch babb dir ei.”
“Jetzt reesch disch nett uff, Vadder. Abber du brauchst e Krawatt.”
“Habb isch, sackweise.”
“Vadder, doch nett dei alde Lumbe. So e rischtisch muss her, wie fern President.”
“Fer so’n Scheißdreck habb isch kei Geld.”

Ingo blickt auf den Berg leerer Export-Flaschen, der sich in den vergangenen Tagen während Duttmaiers Sitzstreik in der Werkstatt aufgetürmt hat.

“Vadder, mer nemme’s Flaschepfand. Deß langt vielleischt aach noch fer …”
“… e nei Wemeßje?”
“Als President kannste doch nett mid’ner Schdrickjack rumlaafe.”
“Aach widder wahr. Dann halt noch e zweit Krawatt. Fer gut.”
“So mache mer’s.”
“Unn was is jetzt midde Paddei?”
“Sobald mer die Käste mim Leergut im Waache hamm, geht’s abb.”
“Moin Ingo!”

13 Kommentare zu “Auferstanden aus Ruinen: Die Geburtstunde der FPD”


  1. 1Uebelhoehr

    Sehr geehrter Herr Schoss,

    die bei mir im Keller lagernden 17 Bierflaschen mit Bügelverschluss und 15 Yuoghurtgläser meiner Frau, alle leer und 2 Glühbirnen 100 W,will ich gerne für Duttis Partei als erste Spende
    anbieten.

    Herzlichst
    Ihr Uebelhoehr

  2. 2Pater Braun

    So, oder so ähnlich laufen derzeit in den Hinterzimmern die Gespräche über die Voraussetzungen und Chancen zu Ministerposten des neuen Kabinetts sicher auch. Wobei nach genauerer Betrachtung der Kandidaten mehr Gewicht auf Gewicht, Zahnstatus und Haarfrisur als auf den richtigen Zwirn geachtet werden sollte.

    Ihr Pater Braun

  3. 3Silvia von Schweden

    Wird das Pfandflaschenthema auch Teil des Paddei-Programms sein, Herr Schoss?

  4. 4textorama

    Da kann man mal sehen, werter Herr Schoss, so eine Lobotomie mus ja nicht unbedingt schlecht sein. Dutti jr. hat ein gewisses Gespür für den Umgang mit “dunkler Materie”. Ich bin von “Respekt” aber noch Lichtjahre entfernt, denn schließlich: It takes one to know one.

    Ihr textorama

  5. 5Benedetto

    Ich lege mich fest: Ingo wird Geschichte schreiben. Selbst wenn es nur das Wegbringen von Leergut sein sollte.

  6. 6busfahrer

    scheisse erdge. mir dem bus is keine pfand am haben.

  7. 7schneewittchen

    ich spendiere, lieber herr schoss, moonboots. rosa mit bommel dran!

    herzlich
    schneewittchen

  8. 8Erdge Schoss

    Ausgezeichnet, werter Herr Doktor, damit dürfte auch eine neue Polyesterhose für den Präsidenten drin sein. Benötigen Sie eine Quittung?

    Lassen, werter Pater Braun, Sie das bloß nicht den alten Duttmaier hören, sonst steigt er in diesem Leben nicht mehr aus dem Blaumann.

    
Unbedingt, liebe Frau von Schweden, und mindestens bis zum Eintreffen beim Getränkemarkt.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  9. 9Erdge Schoss

    Damals, werter Herr textorama, kurz nach dem Blitzeinschlag war angesichts Ingos desaströsem Zustand mit dem Schlimssten zu rechnen. Wobei sein Hausarzt meinte, dass sowieso “nicht so viel da gewesen” sei, was bei Ingo in Mitleidenschaft gezogen werden hätte können. Möglich, dass beim Stromgewitter unter dem Brezelteighelm eine Art Tunnel in Ingos Oberstübchen freigesprengt wurde.

    In der Tat, werter Herr Benedetto, hat Duttmaier jr. mit diesem in der Familiengeschichte bislang nie gewesenen Streich ein Zeichen gesetzt, das besonders Duttmaier sen. Frau zu schätzen wissen wird, war sie bislang doch fürs Abräumen zuständig.

    Heilandzack, werter Herr busfahrer! Nicht mal 15 Cent?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  10. 10Erdge Schoss

    Fantastisch, liebes Fräulein Wittchen! Duttmaiers Frau oder dem Atomprediger a.D.?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  11. Das mett der Krawatt is awwer fubbes, werter Herr Schoss. Geht a ohne.

    Ihr Bundespräsident der Herze

  12. 12Banquo

    Lieber Herr Schoss,

    bisher war mein allgemeines Verständnis, dass Demokratie durch Heterogenität lebt, was sich auch in Parteienvielfalt ausdrückt. In diesem speziellen Fall bin ich allerdings der Überzeugung, dass nicht einmal der tausendjährige Muff unter den Blaumännern gelüftet wird und werde mich nun als Reaktion auf die oben geschilderte Begebenheit wieder verstärkt absolutistischen Herrschaftsformen widmen.

    Aber ohne Hosenanzug
    Banquo

  13. 13Erdge Schoss

    Eingedenk, werter Herr Inishmore, der ästhetischen Tiefschläge in Duttmaiers Kleiderschrank, die auf der nach unten offenen Skala der Geschmacklosigkeit jeden Rekord schlagen, bin ich bereit, Ihnen rückhaltlos zuzustimmen und kann nur hoffen, dass Ingo …

    
Das, werter Herr Banquo, wäre einerseits sehr zu begrüßen, andererseits aber auch mehr als bedauerlich. Und ich spreche nicht nur von den unausweichlich bevorstehenden Trauermärschen der Hosenanzugindustrie.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

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