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Nicht das Smartphone (4 / Der hellste Stern am Firmament)

In nur wenigen Wochen war Arno von Hippenstaal Lulëzim Shkëlzen ans Herz gewachsen. Oder wie man auch immer sein Portmonee nennen wollte.

Als Verkäufer in Shkëlzens Kfz-Schrott-Resterampe “Ringos Gebrauchtwagen”, einem Nebenerwerb im weit verzweigten Imperium des albanischen Trockenbauschaum-Tycoons, hatte von Hippenstaal Wunder vollbracht und selbst Wracks zu Bargeld gemacht. Ohne Vorbereitung, quasi aus dem Stand heraus; schon am ersten Morgen, der auf die Nacht folgte, in der Shkëlzen von Hippenstaal Asyl gewährte. In einem baufälligen Bretterverschlag an der Hanauer Landstraße, umkränzt von Rostlauben und auf einem unwesentlich besser erhaltenen Campingklappbett.

Lulëzim Shkëlzen war überzeugt, dass Arno den nächsten Auftrag prompt erledigen würde. Anders, als Shkëlzens unlängst tragisch aus dem Leben geschiedenen Brüder, denen einsame Winter inmitten von Schafen die Synapsen verödeten, bevor sie in einem Feuerball über dem Mainhattaner Industriehafen verglühten. Zwar war auch von Hippenstaal nicht der hellste Stern am Firmament, doch deutlich skrupelloser – und vor allem geldgieriger.

Und das mehr denn je, seitdem er das Millionenerbe seiner Eltern verpulvert hatte. Weshalb Shkëlzen sein neues Sturmgewehr nach Geschäftsschluss zu sich befahl, um ihm eine Offerte zu unterbreiten, die er nicht ablehnen konnte: 50.000 Euro, sobald er Elke, die Nochgattin des Unternehmers Lothar Macken, aus dem Weg geräumt hatte.

Nicht das Smartphone (3 / Eine verhängnisvolle Begegnung)

Am Tresen des Schanklokals Adler kamen Lothar Macken und Lulëzim Shkëlzen ins Gespräch. Hopfengetränk um Hopfengetränk standen sie beieinander und nahmen in Kauf, dass Ansgar, langsamster Zapfer des Universums, für jedes Pils elf statt sieben Minuten brauchte.

Denn sie fanden ein Thema, das fesselte: Lothars promiske Gattin Elke hatte ihre Zeit gehabt und Lothar sich über alle Maßen in Geduld geübt. Doch jetzt war es soweit: Sie musste weg.

Lulëzim Shkëlzen hörte schweigend zu, derweil die Rädchen im Stammhirn ratterten und wenig später Hilfe wie Kassenbon auswarfen. Die Lösung für Mackens Problem: Arno von Hippenstaal.

Angeblich alles dran

Einem solchen Angebot konnte ich nicht widerstehen. Zumal Arno von Hippenstaal sich auf die Hälfte des Preises herunterhandeln ließ.

Erdge Schoss, erdgeschossrechts: Spritztour 2013 Und da steht er: mein funkelnagelneuer Flitzer. Laut von Hippenstaal ein Unikat von einer Automobilschmiede, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Am Fahrzeug selbst ist angeblich alles dran. Dazu Kofferraum vorn, höher- statt tiefergelegt und zwei Ersatzräder obendrauf.

Der senkrecht angebrachte Auspuff sorgt laut von Hippenstaal für eine in der Automobilgeschichte noch nie da gewesene Aerodynamik, und das selbst bei Rückwärtsfahrten.

Was getankt werden muss, will er bis spätestens heute Mittag durchkabeln.

Ich bin bereit und quasi schon auf der Schnellstraße zur Spritztourpremiere des Jahres. Gehaben Sie sich wohl. Bis die Tage!

Herzlich
Ihr Erdge Schoss

erdgeschossrechts: Ticker Februar ‘13 (Was sonst noch geschah)

Erdge Schoss, erdgeschossrechts: Weiss.
Champagnerparty auf der anderen Straßenseite in Fiedler & Goncoreks Reinigung. Sondergratifikation fürs Personal obendrauf. Aus gutem Grund. Die Modefarbe für Frühling und Sommer: weiß.

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Um die Möbel für die neue Wohnung bezahlen zu können, verpfändete Arno von Hippenstaal die nächsten sechs Monatseinkommen an seinem Chef, den albanischen Geschäftemacher Lulëzim Shkëlzen. Hierzu hatte er einen in albanischer Sprache abgefassten Darlehensvertrag zu unterzeichnen, in dem die einzigen Ziffern das Datum waren.

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Sonne in der kasachischen Hitparade. Und zwar auf Platz 999 dank massiver Drohanrufe der gesamten Familie Roberts bei mehr als einem Dutzend Hörfunkstationen. Mutter Roberts soll sogar einen Moderator des Staatssenders Kazakh Radio angespuckt haben.

Ringos Gebrauchtwagen (4 / Vom Schicksal bespuckt)

Arno von Hippenstaal verstand die Welt nicht mehr. Aber er wagte nicht zu fragen, denn im neuen Job lief es wie am Schnürchen.

Er konnte tun und lassen, was er wollte. Am Ende fast jeden Verkaufsgesprächs stand eine Karre weniger auf dem Gelände von “Ringos Gebrauchtwagen”. Das entging Lulëzim Shkëlzen nicht, dem der Bums gehörte und der Arno von der Straße aufgelesen hatte, als dieser, vom Schicksal bespuckt, im Rinnstein lag.

Shkëlzen, der zuvorderst mit Trockenbauschaum reich wurde, darüber hinaus aber für jedes windige Geschäft zu haben war, hatte sofort von Hippenstaals Talent erkannt: Er wusste und verstand fast nichts und hielt sich trotzdem für ein Genie, das Kraft der Brillanz seiner Gedanken jedes Lebewesen des Universums überzeugen konnte. Und zwar egal, von was.

Mit rasend schnell vorgetragenen Wortketten schlug er solange auf seine Opfer ein, bis diese kapitulierten. Wobei von Hippenstaal nur Siege zur Kenntnis nahm und selbst Niederlagen für Triumphe hielt, deren Erfolg sich mit Verzögerung einstellt. Mit dieser Vorgehensweise gelang es ihm innerhalb einer Dekade, mehrere Geschäfte in den Ruin zu treiben und obendrein ein Millionenerbe zu atomisieren.

Hier aber nun, auf dem Gelände von “Ringos Gebrauchtwagen”, war er wie nie zuvor in seinem Element und zog Kunden nur so das Geld aus den Taschen. Weil er nicht mehr Form, sondern Funktion verkaufte. Bilder und Musik hatte er nie verstanden, Auto aber konnte er fahren. Und es war immer dasselbe: Vorn das Lenkrad, dann zwei Sitzreihen, und hinten war meistens der Kofferraum.

Den Rest erledigte Arno im verbalen Trommelfeuer, und schon flogen Portmonees wie weiße Fahnen in die Höh. Lulëzim Shkëlzen wusste das zu schätzen. Seit gestern Abend ist von Hippenstaal Geschäftsführer, ohne Grundgehalt zwar, aber mit Umsatzbeteiligung, abzüglich Miete für die Wohnung, die Shkëlzen Arno vermittelte. In Shkëlzens Appartementhaus, direkt neben der Reinigung von Fiedler & Goncorek.

Ringos Gebrauchtwagen (3 / Im Fond: der Chef)

Der erste Arbeitstag war gut. Bereits um viertel nach neun hatte Arno von Hippenstaal drei Rostlauben an Ausländer verscherbelt.

Dabei ließ er sich jedesmal auf die Hälfte herunterhandeln, was jedoch nicht weiter schlimm war, da die Karren zum Dreifachen ihres Werts angeboten wurden. Zeckengleich beharrlich biss sich von Hippenstaal an jedem Interessenten fest und wurde bis zum Abend vier weitere Wracks los.

Pünktlich um sechs rollte eine Limousine auf das Gelände. Im Fond: der Chef. Ein finster dreinblickender Gnom, der zur Qeleshe, der traditionellen Kopfbedeckung des albanischen Herrenreiters, einen weißen Mantel aus astreinrassigem Hermelinimitat trug.