Archiv für die 'Elfis Welt' Kategorie
13. Februar 2013 von Erdge Schoss
Kurz nach Neujahr 2007 versuchte sich meine damalige Nachbarin Sabine am Suizid, scheiterte jedoch auf den letzten Metern.
Anders zwei Herren, welchen mehr Glück zuteil wurde: Claus, der das Kunststück vollbrachte, sich mit einem Kopfkissen zu ersticken, und der unscheinbare, stille und stets blasse Herr Alfred, der mit gnädiger Unterstützung einer Narrenkappe seiner Existenz als national floraler Spaßwart ein Ende bereitete.
Unfreiwillig vom Hier und Jetzt verabschiedeten sich hingegen die russischen Stiernacken Vsevolod und Aleksandr sowie der Hotelier Ashley Soundso und Bruno, tragischer Jäger seines verlorenen Schatzes. Die einen infolge einer unglücklich verlaufenen Fahrzeugverfolgung im polnischen Wintermoor, die anderen bei hochsommerlichen Temperaturen in der Karibik zu Wasser und im Wasserbett. Wovon die albanischen Leiharbeiter Rezart und Shpend nicht einmal zu träumen wagten, als sie unlängst in einem Feuerball den Mainhattaner Hafen vorweihnachtlich illuminierten.
Nicht zu vergessen: Bettina Riemenschneider, Grand Dame des nordhessischen Ausdruckstanzes, deren finale Darbietung seenah im Spätsommer 2011 aufgrund eines im Sand vergessenen Starkstromkabels in einer funkensprühenden Schlusspirouette gipfelte.
2. Februar 2013 von Erdge Schoss
Die Ereignisse jenes Nachmittags in einer Villa über der Inselhauptstadt Port-of-Spain sind schnell erzählt.
Elfi bat Bruno herein, zog ihn nach einem Drink ins Schlafzimmer, wo sich beide ihrer Kleidung entledigten und Bruno kurz vor Erfüllen der Mannespflicht verschied.
Worauf der tags zuvor aus der Untersuchungshaft entlassene blinde Bob, der alles andere als blind war, die Szenerie betrat und Elfi beim Beseitigen der Leiche behilflich war.
So verschwand Bruno erneut wie vor fünf Jahren. Diesmal jedoch für immer, weit draußen vor der Küste. Eingehüllt in reißfestes Segeltuch, mit einem Anker um die Knöchel und zerschlissenen Slippern mit Bommel vorn dran an den Füßen.
1. Februar 2013 von Erdge Schoss
Ein Mord, der wie ein Unfall aussah. Eine Viertelmillion in einem Koffer. Und eine Liebe, die im Meer verschwand. Bis zu dem Tag, als Bruno vor Elfis Tür stand.
Im ersten Moment erkannte sie ihn nicht. Wusste nichts anzufangen mit der abgerissenen Gestalt in den schmutzig-weißen Slippern und der von der Sonne gegerbten Haut.
Elfi sah bezaubernd aus in ihrem Trauerkleid, einem Kleinen Schwarzen, hochgeschlossen und mit tiefem Rückenausschnitt. In tiefem Schmerz für den Verstorbenen, ihrem eben noch Gatten Ashley Soundso, den es auf Wasserskiern gegen die Bordwand eines gigantischen Tankers gehauen hatte.
Dann erkannte sie ihn doch: Bruno. Liebe ihres Lebens. Zumindest für kurze Zeit. Bis er wirr wurde nach dem Pilzgericht, vielleicht schon vorher, und schließlich hinausschwamm in schreckfarbenen Bermudas, die er, grau und verblichen zwar, noch immer trug.
Sie bat ihn herein …
17. Dezember 2012 von Erdge Schoss
Nachdem Bruno sich solange für den blinden Bob eingesetzt hatte, bis die Hafenpolizei glaubte, dass niemand anders als Bob den Hotelier, Yachteigner und Lebemann Ashley Soundso auf dem Gewissen hatte, konnte Bruno die Polizeistation unbehelligt verlassen.
Der Weg war frei zu Elfi. Elfi, die vor einer halben Ewigkeit seine Viertelmillion einkassiert und mit den Scheinchen ein neues Leben begann. Diesmal, schwor sich Bruno würde er geschickter vorgehen, und zwar direkt durch die Haustür hineinmarschieren und ohne mit der Wimper zu zucken den Koffer schnappen.
Für den Fall, dass das Geld nicht in einem Koffer steckte, hatte Bruno allerdings keinen Plan B. Jedenfalls noch nicht.
14. Dezember 2012 von Erdge Schoss
Bruno schien den Tränen nahe. Immer wieder schlug er die Hände vors Gesicht während des Verhörs durch die Hafenpolizei. “Nein, ich kann es mir nicht erklären”, stammelte er, “und auch nicht, woher er kam.”
“Er” war ein rund 380.000 Tonnen schwerer Tanker der VPLUS-Klasse, der plötzlich am Horizont auftauchte, worauf Bruno auf Kreuzkurs zum Giganten der Meere ging und dann das Steuer an den blinden Bob übergab. Der freute sich, weil er endlich mal etwas anderes sah als die Kombüse.
Geblendet von der hinreißenden Anmut seines Wellenritts wurde Ashley Soundso die Unausweichlichkeit des Moments erst klar, als ihn das längs über den Tankerbug straff gespannte Zugseil samt Wasserskiern aus der Gischt hob und an die rostige Bordwand schmetterte.
13. Dezember 2012 von Erdge Schoss
Die dramatische Rettungsaktion hatte Konsequenzen: Bruno wurde neuer Steuermann der “Hoch die Tassen”; Ron, der vormalige Amtsinhaber, musste gut 17 Kilometer vor der Küste die Yacht verlassen; und Ashley Soundsos weißes Oberhemd musste auch, und zwar in die Reinigung.
Tags darauf verließ die “Hoch die Tassen” wieder den Hafen von Port-of-Spain. Ashley Soundso war nach Wasserski. Der strahlenden Sonne reckte er den freien Oberkörper nebst von Nussöl glattgebügeltem Brusthaar entgegen und der silberweiße Tanga verlieh als Stoff gewordener Beweis der Relativitätstheorie seiner Männlichkeit ein gewisses Format. Ashley war hingerissen von seiner Erscheinung. Es würde ein unvergesslicher Tag werden …