Archiv für die 'Elkes Welt' Kategorie
23. Mai 2013 von Erdge Schoss
Dr. Bodo Stammler-Seidenschnatz nebst Gattin Renate Seidenschatz können von Glück sagen, dass erotische wie emotionale Wirrungen keinen Eingang in Personalakten finden. Jedenfalls nicht offiziell.
Resultiert Renates ursprüngliche Frigidität doch aus einer unerfüllten Fahrradexkursion mit einem Strampler namens Lonte, die sie mit einem Sturz auf ihre Brüste bezahlte; mit folgenschwerer Wirkung auf das nachfolgende Ehegelöbnis mit eben jenem Bodo, dem sie sich, bis auf eine Ausnahme, standhaft verweigerte. Was Jahre später aufgrund eines von Duttmaier sen. unbeabsichtigt herbeigeführten Naturereignisses plötzlich ins Gegenteil verkehrt wurde und Bodo mit einem Mal in ungeahnte Nöte stürzte.
Jenen Bodo übrigens, der die ihm aufgezwungene Enthaltsamkeit in Demütigungsszenarien zu sublimieren versuchte, über einsames Sitzen, nackt bis auf Socken in unbeleuchteten Kleiderschränken, jedoch nicht hinauskam. Von Spaziergängen im Lodenmantel ohne Unterbekleidung einmal abgesehen.
Dass diese beiden dennoch zusammenfanden, scheint dem Irrwitz des Zufalls geschuldet. Doch Zufälle, der verehrte Herr Banana erwähnte es in dieser Boutique bereits vor Jahren, gibt es bekanntlich nicht.
22. Mai 2013 von Erdge Schoss
Am Tresen des Schanklokals Adler kamen Lothar Macken und Lulëzim Shkëlzen ins Gespräch. Hopfengetränk um Hopfengetränk standen sie beieinander und nahmen in Kauf, dass Ansgar, langsamster Zapfer des Universums, für jedes Pils elf statt sieben Minuten brauchte.
Denn sie fanden ein Thema, das fesselte: Lothars promiske Gattin Elke hatte ihre Zeit gehabt und Lothar sich über alle Maßen in Geduld geübt. Doch jetzt war es soweit: Sie musste weg.
Lulëzim Shkëlzen hörte schweigend zu, derweil die Rädchen im Stammhirn ratterten und wenig später Hilfe wie Kassenbon auswarfen. Die Lösung für Mackens Problem: Arno von Hippenstaal.
16. Mai 2013 von Erdge Schoss
Wenn Renate träumt, dann ist es August, und sie im Land, wo die Bananen blühen.
Und Feml Lonte Rad fuhr. Jener Feml, der sie, damals und kurz bevor sie Bodo traf, wissen ließ, dass der verliert, der am Berg patzt. Was Renate, die bis heute nicht Rad fahren kann, am eigenen Leib erfuhr und mit verbeultem Dekolletee seitdem nach ihm sucht, obwohl sie seine Adresse kennt.
Was in ihren Träumen jedoch alles andere als einfach ist bei Platzregen und mit bierglasbodendicken Brillengläsern. Und so fährt sie suchend auf Serpentinen vermeintlich ohne Wendemöglichkeit, tatsächlich aber für Verkehr gesperrt, bis die Bergwacht sie stoppt und die Tour im nächsten Traum erneut beginnt.
15. Mai 2013 von Erdge Schoss
Dr. Bodo Stammler-Seidenschnatz kann nicht mehr. Mittlerweile erwägt er sogar, seine seit der Explosion im Kellergeschoss wie ausgetauschte Ehefrau anzuzeigen. Wegen sexueller Nötigung.
Täglich vor und nach der Arbeit sowie nach den Spätnachrichten. Bodo ist nicht entgangen, dass Renate nur Wert auf Körperlichkeit legt. Um Liebe geht es nicht. Derart auf das Physische reduziert, fühlt er sich nicht nur ausgelaugt, sondern obendrein gedemütigt.
Wobei ihm das an manchen Tagen durchaus eine wohlige Gänsehaut verschafft und Erinnerungen weckt an einen glückseligen Bankangestellten, der, kniehockend und mit nichts angetan als umbrafarbenen Socken, in einem Kleiderschrank die Befehle seiner Herrin erwartete.
30. April 2013 von Erdge Schoss
Lothar Macken, Bauunternehmer und seit dem 28. September 2011 verheiratet, geht die seinerzeit geehelichte Elke, beschäftigt in der Börsenabteilung einer international operierenden Bank, mittlerweile ziemlich auf den Sack.
Das vor allem sprichwörtlich, denn mit Erotik ist es nur noch in Ausnahmefällen. Genau gesagt: eigentlich nie. Was Lothar umso mehr enttäuscht, stand ihre Liaison anfangs doch unter eben jenem Stern. Auch emotional.
Elkes neue Weinerlichkeit tut das Ihrige hinzu. Am liebsten wäre er sie los, er weiß nur noch nicht wie.
29. April 2013 von Erdge Schoss
Es ist Frühling, der Spargel schießt. Elke mag davon nichts wissen. Erstmals seit der Pubertät. Die Sonne scheint, doch sie sieht nur Wolken.
Das einst unwiderstehliche Lächeln umspielen mittlerweile kleine Falten, um die Augen auch. Jene Augen, die sie kürzlich noch für ebenso unwiderstehlich hielt. Und den Rest vom Fest mag sie längst nicht mehr sehen vor dem Spiegel. Elke kann förmlich spüren, wie Brüste und Backen schlaffer werden.
Zeichen der Zeit. Nur mühsam kaschiert per Sonnenbank und Fitnessstudio. Dazu die spöttischen Blicke der Kollegen aus der Börsenabteilung nach dem unüberhörbaren Terzett anlässlich der Weihnachtsfeier, von dem es sogar ein Video gäbe, hätte der involvierte Charttechniker eingedenk des Geruckels nicht das Smartphone, ein nagelneues iDiot von Bembel, fallen lassen.
Tränen rinnen über ihre Wangen, als sie träumt von unbeschwerten Tagen auf Ibiza, dem Fahrrad und der Motorhaube im Wald. Wie sehr wünscht sie sich an eine starke Schulter. Zur Not auch die ihres Ehemanns, dessen Namen ihr partout nicht einfallen will.