Archiv für die 'Eva & Baptiste' Kategorie

Zweizimmerwohnung

Erdge Schoss, erdgeschossrechts: Chaim Sonnenfeld, Autobahnimpressionen #11

Autobahnimpressionen #11 Zweizimmerwohnung

Wo kommt die her?
Wo will die hin?

Christi Himmelfahrt

Wir haben Gott gesehen. Er trug die Perücke von Bruno Pezzey und grüßte mit einem fassgroßen Bembel.

Was ein Wunder war, aber erklärlich angesichts der Weine, die Baptiste für sich, Vaudeville und mich aufzog. Für jenen Vaudeville übrigens, der gestern überhastet das Studio verlassen hatte, um die Getränkefolge zu klären mit Baptiste, und mich weit nach Mitternacht zwischen brummenden Generatoren nach ihm suchen ließ.

Doch ist nicht das ganze Leben Suchen? Baptiste jedenfalls fand schnell die Weine, die den Schwung hin zum Vatertag illuminierten. Weise begann er mit den besten, weswegen der Herr uns schon um halb zwölf erschien.

Zum Bollerwagen durch die Landschaft ziehen sind wir heute viel zu müde. Und Väter auch nicht, allesamt. Weil der Ernst des Lebens an uns vorbei wehte wie Pergament im Frühlingswind.

Schenk nach Baptiste, heut sind wir jung wie niemals mehr.

Den Frühling herbeisaufen (6 / Hubschrauber und Taucher im Main)

Mit einer frisch entflammten Zigarette zwischen den Fingern besah Eva das Chaos in der Wohnung. Dann setzte sie sich an den Tisch und kritzelte ein paar Federstriche aufs Papier. Fertig war Baptistes Todesanzeige.

“Und wenn er nicht tot ist?”, durchfuhr es Eva plötzlich und sie zerknüllte den Entwurf. Was allein aus grafischen Gründen kein Verlust war. Eva wählte die Nummer von Chaim Sonnenfeld, ihrem aktuellen Mentor und Liebhaber. Er riet ihr, erst einmal die Polizei anzurufen und gegebenenfalls eine Großfahndung einzuläuten mit Spezialeinheiten, Hubschraubern und Tauchern im Main.

Derweil fand Baptiste es gar nicht so schlecht im Klinikum. Er lag bequem. Die Krankenschwester war nett und der Kaffee heiß. Morgen sollte er zwar entlassen werden, doch Baptiste konnte sich auch vorstellen, übers Wochenende zu bleiben.

Den Frühling herbeisaufen (5 / Überall Blut)

Eva wusste nicht, ob sie vor Glück oder Entsetzen zittern sollte, als sie das Blut im Flur sah. Händeweise verteilt auf die Tapeten links und rechts.

Noch schlimmer im Bad: überall Blut, selbst am Toilettendeckel. Und der Horror überhaupt: auch auf ihrem Handtuch. “Baptiste”, rief sie schreiflüsternd. Keiner antwortete.

Im Wohnzimmer: noch schlimmer als schlimm. Besonders unter dem Tisch und auf Baptistes Lieblingssessel. Hatte er sich umgebracht? Vielleicht sogar wegen ihr?

Fragen, die sich Baptiste in diesem Moment nicht stellte. Mit dröhnendem Schädel erwachte er ein paar Kilometer weiter nach tagelangem Tiefschlaf in einem Krankenbett des Klinikums der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Mainhattan, und hatte so was von Durst …

Den Frühling herbeisaufen (4 / Notaufnahme)

Erdge Schoss, erdgeschossrechts: Baptiste auf dem Weg zur zur medizinischen Notaufnahme des Klinikums der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Mit Blaulicht raste der Sanitätswagen kurz nach Mitternacht zur medizinischen Notaufnahme des Klinikums der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Mainhattan. Auf der Bahre: Baptiste.

Ich war nicht der einzige, der ihm davon abgeraten hatte, in der Nacht zum Ostersonntag einen erneuten Versuch zu starten, um allein, entschlossen und in beispiellosem Altruismus für Mainhattan, Hessen und die Republik (Offenbach ausgenommen) den Frühling herbeizusaufen.

So kam es, wie es kommen musste. Beim Öffnen der zwölften Flasche glitt ihm der Korkenzieher aus Hand wie Sichtfeld, worauf ihn ein heiliger Zorn überfiel, der den Blick zusätzlich trübte. Weswegen Baptiste sich beim Bücken unter die zwei Tischplatten prompt für die falsche entschied und sich ein klaffende Kopfwunde zuzog, mit der er erst das Wohnzimmer und dann Bad wie Flur einsaute, bis er endlich den Notarzt rief.

Was ihn nicht davon abhielt, nach erfolgreicher Intensivversorgung mittels zwei Dutzend Stichen quer über die Stirn sofort das Klinikum verlassen zu wollen, woran ihn drei Sanitäter, der Notarzt sowie ein eilends hinzugerufener Anästhesist erfolgreich hinderten.

erdgeschossrechts: Ticker März ‘13 (Ostern und was sonst noch geschah)

Frohe Ostern: Baptiste will am Samstag einen neuen Versuch starten, um den Frühling herbeizusaufen und gleichzeitig den deutschen Herrendruckbetankungsrekord knacken, der derzeit bei 7,67 Promille liegt.

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Es kam wie es kommen musste. Boris war an seinem Geburtstag dann doch nicht im Puff, sondern feierte hinter verschlossener Tür allein in der heimischen Sanitärzone. Unglaublich, aber wahr: beim Zählen der Luftblasen unter der Tapete kam er auf denselben Wert wie im Vorjahr.

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Dr. Bodo Stammler-Seidenschnatz beantragte bei seiner Krankenkasse eine Kur zur Meditation. Aufgrund nicht vorhergesehener Zufälle ermittelte die zuständige Sachbearbeiterin ein Kloster an der deutsch-polnischen Grenze: das Schbricz Schbradcz.

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Apropos Schbricz Schbradcz: Günther plant eine Neuverfilmung des Leben des Brian, die Ostern 2014 in die Solokabinen kommen soll. In den Hauptrollen: Vroni Vox als unbefleckte Empfängnis und Bobečz “Longski Dongski” Freischwinger als Schwanzus Longus.