Archiv für die 'Leslie Veszprém-Peru' Kategorie

Bodenlang und hoch geschlitzt (4)

Ekstatische Nächte in Begleitung des hinreißenden Fräuleins Veszprém-Peru versüßten den vergangenen Sommer. Doch keine war wie diese, die uns in ein romantisches Hotel im Süden führte.

Maximalmassive Gaben von Alkoholika zur Speisenfolge zum Niederknien schleuderten uns synchron und so was von aus der Bahn, dass die weiteren Geschehnisse der Nacht eine abenteuerliche Wendung nahmen, die vorerst darin gipfelten, dass ich nach unendlichen Mühen des Matratzenerklimmens das Bewusstsein verlor, während Fräulein Veszprém-Peru nichts Besseres zu tun hatte, als ihre malträtierten Füße in einer Obstschale, randvoll mit Eiswasser, zu kühlen.

Dessen gewahr wurde ich nur, weil ich, irgendwann nachts und unvermittelt aus der Absenz gepeitscht, mich über die Bettkante hinausbeugte. Was ich im Moment des Aufpralls auf das Parkett sofort bereute. Wovon Leslie Veszprém-Peru, betongleich auf dem Polsterstuhl das Schneegestöber des Fernsehers anstarrend, nicht die geringste Notiz nahm.

Und das über den Verlauf der Nacht hinweg, in dem sie sich irgendwann aus der Starre löste, bodenlang und hoch geschlitzt und mit tropfnassen Füßen auf der hochherrschaftlichen Liegestatt zur Ruhe bettete. Während ich eine Etage tiefer in ramponierter Abendgarderobe dem Morgen entgegendämmerte.

Das folgende Frühstück war gut. Ach was: fantastisch!

Bodenlang und hoch geschlitzt (3)

In einem selbstmörderischen Manöver setzte ich mehr blau als bewusstlos alles auf eine Karte. Ich tat, was ein Mann tun muss, schloss die Augen – und stellte den Fuß aufs Parkett.

Augenblicklich stoppte der Wahnsinn und das Schaukeln ließ nach. Ich weiß nicht, wie lange ich nur da lag. Ausgepumpt und schweißgebadet. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf, aus dem ich plötzlich erwachte und Leslie Veszprém-Peru wiedersah. Königin der Nacht.

Wie betoniert klebte sie auf einem Polsterstuhl, die vormals hochgesteckten Haare wirr, und starrte auf den Fernsehschirm. Der zeigte keinen Film, nur Schneegestöber. Noch immer trug sie das Kleid, bordeauxrot, bodenlang und hoch geschlitzt, darunter Strapse zu schwarzer Spitze.

Die Füße in der Obstschale, randvoll mit Eiswasser.

Bodenlang und hoch geschlitzt (2)

Die Luft war heiß, uns verlangte nach Wein. Der wurde reichlich aufgefahren während der fünf Gänge.

Wie reichlich, wurde mir spätestens im Türrahmen unseres Zimmers bewusst, als es mich schmucklos von den Beinen holte. Leslie Veszprém-Peru war entscheidende Meter voran und schnürte sich, halb liegend, halb fallend aus den Highheels, stürzte zum Beistelltischchen, riss die Obstschale an sich und verschwand im Bad.

Auf dem Parkett liegend, fixierte ich schwimmenden Blicks das Bett und versuchte mit ruderähnlichen Bewegungen voranzukommen. Dort angekommen, hatte ich vor, mich am Bettpfosten hochzuziehen, was nach mehreren jämmerlich gescheiterten Versuchen schließlich gelang.

Meiner Stirn ist es zu verdanken, dass keine Schneidezähne verloren gingen. So lag ich da. Mit verbeulter Visage, in verkratzten Lackschuhen und ruinierter Abendgarderobe. Auf dem Rücken. Im Karussell, das sich drehte. Schneller und schneller. Höher und weiter, denn das Karussell trieb irrwitzig auf hoher See zwischen Wasserbergen und Wellentälern. Gepeitscht vom unerbittlichen Hochleistungsmotor, deckenventilatorgleich …

Bodenlang und hoch geschlitzt

Kontrapunkte setzen wieder die Eiseskälte. Wie damals im Sommer mit Leslie Veszprém-Peru, als wir auf und davon fuhren bei 30 Grad.

Sie trug ein Kleid aus Chiffon und ich konnte mich kaum aufs Lenken konzentrieren. Wir kamen dennoch an. Ein herrschaftliches Haus, obwohl es nicht in Hessen stand. Ein betagter Kammerdiener trug unsere Koffer aufs Zimmer. Dort machten wir uns frisch, bis ihr verführerischer Duft den Raum füllte.

Dann hieß es: Abendbrot. Wir ließen uns nieder an einem mit Damast geschmückten Tisch, auf dem Kerzen brannten. Sie trug ein Kleid. Bodenlang und hoch geschlitzt. Aus ihren Augen sprach Verlangen. Keinen Moment länger zögerte ich und verlangte die Karte …

Denn es ist Sommer

Kalte Füße, dicke Socken, Zipfelmützen und lange Unterhosen: vom Winter hat Leslie Veszprém-Perus Cousine Noémi genug und erklärt die heiße Jahreszeit für eröffnet.

Liebe (ein schönes Wort)

Und keiner schreibt es schöner als die Lebkuchenbäcker mit ihren Lebkuchenherzen, die man jetzt wieder an jedem Lebkuchenherzenstand auf dem Weihnachtsmarkt bekommt. Ich kann Weihnachtsmärkte nicht leiden.

Anders der Abend mit Leslie. Es war wie im Märchen. Jedenfalls bis zu dem Moment, als die vier Mai Tai bei mir Wirkung zeigten. Auf einmal sah ich sie nicht mehr. Sie war weg. Vom Erdboden verschwunden. Luft.

Ich hab mich dann erst einmal hingesetzt und drei Caipirinha bestellt. Und dann noch drei. Und bevor ich zum Schluss noch drei bestellt hab, noch mal drei. Oder vier, ich weiß es nicht. Und dann bin ich nach Hause, mit dem Taxi oder gelaufen. Hätte ich bloß vorher unter den Tisch geschaut.

Denn da lag sie. Die ganze Zeit. Sie war gar nicht fort, nur voll.