Archiv für die 'Sabine & Tassilo' Kategorie

erdgeschossrechts: Ticker (August ‘11)

Seitdem das Tanzquartett vom Erotic Tabledancing auf der gusseisernen Heißmangel Dienstagnachmittags zum Highheel-Ironing im Schaufenster bügeln, brummt die Reinigung von Fiedler & Goncorek wieder wie verrückt. Im Sekundentakt geht die Türklingel. Vor der Tür spielen sich unglaubliche Szenen ab. Herren mit Waschkörben, Textiltapeten und demontierten Autositzen rangeln um die besten Plätze.

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Die Sommerfrische bei den Schwiegereltern in der Schweiz haben Sabine und Tassilo weitgehend gut überstanden, sieht man einmal ab von der Kalamität auf einer Alm, bei der Tassilos Alphorn Opfer einer Jagdgesellschaft sehschwacher Senioren wurde, die ihm glücklicherweise nur einen Streifschuss verpassten.

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Henri ist weitgehend wiederhergestellt und kocht wie zu besten Zeiten. Im Service will Selma ihn trotzdem nicht sehen wegen der unvermittelt einsetzenden cholerischen Attacken wie jüngst, als er zwei Suppenteller (Consommé Célestine) auf dem Tisch eines verliebten Paares zerschmetterte, alle Gläser austrank und die im Kühler stehende Flasche erst ansetzte und dann durchs geschlossene Fenster in den Hof beförderte.

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Boris wäre gern in Urlaub gefahren, darf aber nicht, weil Mutti es verbot.

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Arno von Hippenstaal ist Vater geworden, weiß davon aber noch nichts, weil er angeblich in einem Studio auf Ibiza ohne Telefon einen enorm aufwendigen Remix produzieren lässt, und zwar aus dem exakt einen Song umfassenden Eurodance-Repertoire Femkes, die ihm ein Mädchen oder einen Jungen schenkte, was sie bislang selbst nicht so genau weiß.

Obst und Gemüse

Praktisch zeitgleich mit dem Moment, in dem Boris feststellte, dass die Steigung einer Seitenstraße unweit des Zoos ihm mehr abverlangte als er auf dem Liegefahrrad zu geben in der Lage war, entschied sich Tassilo an der Fischtheke eines Einzelhandelsgeschäfts in Spuckweite zur Alten Oper spontan für Entrecote.

Was nicht nur die Verkäuferin verwirrte, sondern auch Boris nicht half, der sich mit einem Mal im Rückwärtsgang inklusive zunehmender Beschleunigung befand und erst mittels der Auslageaufbauten eines türkischen Gemüseladens zum Stehen kam.

Während Tassilo beschwingt eine Fleischerei aufsuchte, um einige hundert Gramm zu erwerben, wechselten auf einem nur wenige Kilometer entfernten Bürgersteig fast ein dreiviertel Zentner Obst und Gemüse den Besitzer.

Ein Meilenstein der Frauenliteratur

Auch zum diesjährigen Gabenfest landeten Scheißdrecksgeschenke im Wert von mehr als 800 Millionen Euro unterm Tannenbaum. Tassilo traf es dreifach.

Dabei handelte es sich nicht einmal um Präsente aus dem Souterrain deutscher Witzigkeit, wie Fastnachtsbrille mit Penisnase oder Hörkassette des Humoristen Barth, sondern um vergleichsweise geradezu subtil Boshaftes. Wofür seit Tassilos Heirat Sabines Mutter zuständig ist, eine untervögelte Schreckschraube mit zuviel Schminke und Parfüm.

Schon beim Anblick des größten der drei Pakete ahnte Tassilo, dass Freude beim Schenken auch diesmal eine Einbahnstraße war. Die Ahnung wurde zur Gewissheit, als er nach dem Auspacken eine lichtgraue Daunenjacke in den Händen hielt, die selbst dem Basketballtitanen Dirk Nowitzki vier Nummern zu groß gewesen wäre.

Womit Sabines Mutter Tassilo wie zu jedem Weihnachtsfest zu verstehen gab, dass sie sich einen baumlangen Schwiegersohn gewünscht hatte mit Greifern groß wie Klodeckel, wozu Geschenk Nummer 2 (Handschuhe) passte. Den Reigen komplett machte ein nicht mehr originalverpacktes Buch, laut Klappentext “ein Meilenstein der Frauenliteratur”.

Noch in derselben Nacht freute sich ein Obdachloser über neue, warme Kleidung und das Papier half beim Entfachen eines Feuers.

Ein Sonntagmorgen in Mainhattan

Während Tassilo nach einem unverhofften Quickie frühmorgens gut gelaunt die Treppen hinunter springt, um beim Bäcker um die Ecke frische Brötchen zu holen, gießt Sabine ähnlich euphorisiert den Kaffee auf.

Es wird ein herrlicher Spätsommersonntag werden. Und da das Töchterchen bei den Großeltern weilt, wird Tassilo direkt nach dem Frühstück beweisen dürfen, dass auch Schweizer ganze Kerle sind. Was dieser selbstverständlich schon ahnt und sich, vom Mantel fein kaschiert, bereits vorfreut.

Eine Vorfreude, die Goncorek, der im selben Moment Tassilo pilotbebrillt nach durchzechter Nacht passiert und dessen beschwingten Gruß nur schemenhaft wahrnimmt, fremder ist denn je. Nach der gescheiterten Ehe mit der Fleischerwitwe, die ihn für einen Filou aus Prag verließ, will er von Geschlechtlichkeit derzeit nichts wissen. Stattdessen liegt er seinem Kompagnon Fiedler in den Ohren, ob man es nicht doch noch mal mit der Detektei versuchen solle, weil: die passenden Anzüge habe man ja schon.

Anzüge, überhaupt jede Art von Oberbekleidung sind Horst und Elvis an diesem Morgen mehr als fremd, da beim Sonnenbad auf der Penthouseterrasse über den Dächern von Mainhattan selbst feinste Seide nur stören würde. Wohl wissend, dass schon bald wieder die Tage der langen Unterhosen anbrechen. Dazu gibt es Schnittchen und Jahrgangssekt, weil Elvis auf Prosecco stets derb aufstoßen muss.

Wohingegen von Müssen keine Rede sein kann, sondern einzig von Wollen. Unter der Dusche von Leslie Veszprém-Peru, die ihre Haare wusch.

Wie jedes Jahr

Augenstillstand. Verlust der Muttersprache. Aber atmen kann er noch.
Wie jedes Jahr, wenn Tassilo sich zu Vatertag zurichtet.

Und Sie so?

An Ostern

… will Tassilo in die Berge und Sabine ans Meer. Anders Horst und Elvis, die es weder nach da noch dort zieht. Stattdessen gibt es Ostersonnenferien auf der Dachterrasse mit Barbecue. Und sonntags wird epiliert.

… tanzt Bettina Riemenschneider Ausdruck in einem hessischen Badeort zur Einweihung des neuen Thermalbads. Eve, Yves, Bianca und Bettina Riemenschneider jr. haben wie üblich ihr Kommen angekündigt, woraus wohl auch diesmal nichts werden wird.

… hat Elfi nach wie vor keinen blassen Schimmer, dass ihr einstmaliger Traummann Bruno noch lebt. Was er tatsächlich tut nach dem verheerenden Sturz auf dem Rollbrett liegend aus vier Metern Höhe …