Archiv für die 'Selma & Henri' Kategorie
7. Mai 2013 von Erdge Schoss
Sitze auf der Terrasse eines netten Restaurants in Rheinhessen und frage mich, warum Bauern immer nachts Gülle aufs Feld kippen müssen. Zwei Tische weiter prangt ein vor Fett fast platzender Vertreterfuzzi und frisst mit offenem Maul. Offensichtlich Dessert.
Jetzt muss die Sau husten und speit sich die halbe Tarte Tatin aufs Hemd. Seine Begleitung versucht, den Sabber vom Hemd zu wischen. Es misslingt. Sie verreibt den Glibber auf Jackett, Hemd und Krawatte.
Er hustet nach und schleimt sie ein. Aus dem Halbdunkel eilt eine Bedienung. Lachtränen verbergend. Schnaufend bestellt er “Expresso” und krampft sich am Tisch fest. Zwei Promille garantiert. Die Begleitung ist gen Sanitär, Speireste entfernen. Glasig stiert das Schwein nachtschwarz ins Nichts. Speichelfäden.
30. Oktober 2012 von Erdge Schoss
Fiedler & Goncorek haben sich als exklusiver Trikotheißmangelpartner bei Eintracht Mainhattan empfohlen und hierzu den kompletten Aufsichtsrat in die Reinigung eingeladen, wo Gina, Linda, Audette und Hildegard vom hauseigenen Erotic Tabledancing in zu heiß gewaschenen Leibchen der Fastmeisterequipe von ‘92 einen Bewerbungstanz vorführen sollen.
+++
Am Wochenende wäre Selma beim Rauchen vor der Tür fast erfroren. Henri fand sie im rechten Moment und holte sie mit gefühlvollen Streicheleinheiten seiner pfannengroßen Hände zurück ins Leben. Die zärtlichen Backpfeifen klatschten quer über den Hof bis zur Wohnung der Kümmelspalters, die bei offenem Fenster nichts hörten, sondern sich am Strom wärmten, der durch ihre Pudelmützen fuhr.
+++
Gute Nachrichten vom Mainhattaner Hauptgottesacker: Das Friedhofstaxi fährt im November und Dezember auch an den Wochenenden. Wie auch in den vergangenen Jahren weitet die Friedhofsverwaltung vom 31. Oktober bis 30. Dezember den Fahrdienst auf sieben Tage von 10 bis 17 Uhr aus. Am 24. und 31. Dezember rollt das Friedhofstaxi allerdings nur zwischen 10 und 15 Uhr, und steht, wenn nicht unterwegs, an der Trauerhalle.
3. September 2012 von Erdge Schoss
Während Boris die mit dem Gitarrenbuch erworbenen und speziell für Heavy-Metal-Spielweisen entwickelten Basssaiten durch die Tonlöcher der Fujara fädelte, verknackste Selma sich beim Joggen im warmen Licht des frühen Morgens den Knöchel.
Weswegen ich jetzt den Koffer packe, um für einige Tage auf dem Winzerhof auszuhelfen. Da die Experten vom Straßenbauamt bei Aushubarbeiten zur Erneuerung der alten Dorfstraße zugleich die Voraussetzung schufen für die Erneuerung des bis eben noch funktionstüchtigen Telekommunikationskabels, herrscht dort bis auf Weiteres telefontechnisch tote Hose.
Da ich als standhafter Scheißdrecksverweigerer ein bembelfreies Dasein friste, lediglich ein urzeitliches Handsprechfunkgerät aus Bakelit besitze und mir bis auf Widerruf sowieso lieber die Finger abhacken lassen würde als auf einer Micky-Maus-Tastatur mit meinen Gichtfingern herumzueiern, werde ich vorübergehend absent sein, was Sie selbstverständlich nicht davon abhalten soll, diese bescheidene Boutique mit der Pracht Ihrer Erscheinung zu illuminieren.
Sollte Ihnen der Winzerhof in Teilen oder gar gänzlich fremd sein, empfehle ich zur Einstimmung den einen oder anderen Blick zurück …
Neue Nachbarn
Verbeult und verbogen
Am Rosenmontag
Emma
Arschgeigensackgesicht
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
24. Juni 2012 von Erdge Schoss
Heute um Mitternacht wird es wieder soweit sein: In der Küche des Winzerhofs fällt Henri auf die Knie und dankt dem Herrn, dass die Spargelsaison vorbei ist. Bis zum nächsten Frühjahr will er das Zeug nicht mehr sehen und säuft zur Feier der Nacht bis zum Morgengrauen mit Selma Weißweine, bis beide so hackeblau sind, dass sie am Küchentisch einschlafen.
+++
Apropos Küchentisch: Familie Brings ist voll zufrieden mit dem diesjährigen Sommerurlaub, den sie ebenda verbrachten und dabei ihre nagelneuen iDiots wechselweise anstarrten, betatschten sowie Äpps hoch- und sofort wieder runterluden. Leise Kritik gab es nur von Tochter Chloe-Nicolé, die sich im Vergleich zu vorhergehenden Urlauben insgesamt etwas unterstimuliert fühlte.
+++
Was wiederum Elke von sich nicht behaupten kann, die schon wenige Tage nach dem Auftakt eines Mittelmeertörns auf dem besten Weg zu maximaler Befriedigung ist und sich bei einem denkwürdigen Gangbang mit zwei Dritteln der Crew quasi ins goldene Buch des Schiffes eintrug. Wovon ihr Gatte Lothar dank der segensreichen Wirkung frühabendlich verabreichter K.o.-Tropfen nichts erfuhr, sich zugleich aber nicht erinnern konnte, eine Hochzeitsreise jemals derart verschlafen zu haben.
+++
Boris ist schon aufgeregt: nur noch sechs Monate bis Heiligabend.
30. Januar 2012 von Erdge Schoss
Glucksend vor Freude stülpten Arpia und Kasuist Kümmelspalter die Pudelmützen über. Geschenke erhielten sie nicht oft. Selbst gegenseitig beschenkten sie sich an Feiertagen nur ausnahmsweise.
So saßen sie nebeneinander auf der Couch im gut geheizten Wohnzimmer – und bekamen einen Wimpernschlag derart einen gefunkt, dass die Mützen rot glühten. Der Widerschein erhellte den Hof. Selma sah, dass die Fernsteuerung funktionierte und drehte auf Vollgas. Die nächsten 750 Volt aus den eingenähten Defillibratoren bügelte die Kümmelspalters press in die Polster und sie sahen gewittergleich Dinge, die sie nie zuvor gesehen hatten.
Während Kasuist sich auf der Erdumlaufbahn wähnte mit nichts bekleidet als einem Leitzordner aus reinem Polyester, glaubte sich Arpia als zuckendes Biest an Caligulas Seite inmitten eines historischen Gangbangs und verspürte plötzlichen Heißhunger auf Otterzunge in Aspik.
29. Januar 2012 von Erdge Schoss
Kasuist und Arpia Kümmelspalter staunten nicht schlecht, als sie das liebevoll eingepackte Geschenk vor der Haustür entdeckten.
Nachdem beide sorgfältig ihre Mäntel aufgehängt und die Straßenschuhe gegen Filzpuschen im Partnerlook getauscht hatten, begaben sie sich ins Wohnzimmer. Kasuist knipste die Stehlampe in der Zimmerecke sowie das Lämpchen auf dem Beistelltisch an. Ihr Stimmungslicht für besondere Augenblicke.
Freudestrahlend legte Arpia die Geschenke auf den Couchtisch: zwei Pudelmützen.