Der Claus ist tot. Mit dem Kopfkissen hat er sich erstickt. Eine Energieleistung sondergleichen, zu der er zeitlebens nicht fähig schien.
Erstmals brachte er zu Ende, was er angefangen hatte. Und das trotz der Knebel, die ihn bis zuletzt ans Bett fesselten. Wie er das schaffte, wird er wahrscheinlich nicht mehr erzählen.
Dass Claus sich die Pulsadern aufschneidet, hat mich überrascht. Gut, seitdem seine Agentur auf Grund gelaufen war und er Privatinsolvenz hatte anmelden müssen, war er nicht mehr ganz so spendabel.
Aber das war er auch vorher nicht. Mit den Damen lief es dann nicht mehr so rund. Wobei er schon seit der Scheidung von Sonja etwas haltlos schien. Und dass ihn der Auszug aus dem Loft so mitnehmen würde, konnte keiner ahnen.
Jetzt hat er Zeit sich zu erholen in der Psychiatrie, vollgepumpt mit Medikamenten, die eine ganze Büffelherde zu Lämmern macht. Angegurtet wie er so daliegt, könnte er sowieso keiner Fliege etwas zuleide tun.
Fiedler & Goncorek, im Scherbenmeer. Brunner unterwegs mit 25 km/h. Eva und Baptiste auf dem Weg ans Mittelmeer. Vaudeville fast schon in Berlin. Ich an der Seite des Keinkanzlers und für die nächsten zwei Tage außen vor. Auch sonst: bewegte Zeiten, denn …
Arno von Hippenstaal, glückloser Galerist und Sohn von Gernot und Inge Bauer, verspricht gutaussehenden Grazien, sie “ganz groß” herauszubringen dank seiner exzellenten Kontakte, auf die schon Eva in einem Anfall posterotischer Verwirrung vergeblich spekulierte.
Leslie Veszprém-Peru hat einen angeblich blaublütigen Herrn aus Süddeutschland kennen gelernt und weilt mit ihm derzeit an der Adriaküste, wo dessen Familie ein Wochenendhaus ufernah zu besitzen vorgibt.
Sonja schleppt sich mit ihren beiden grundschulpflichtigen Kindern durch den Tag und hat darüber die Lust an der Lust verloren. Neulich sah ich sie in Leggins. Claus wiederum, Vater der beiden, hat rechtzeitig den Benz und das Loft auf seine blinde Mutter überschrieben und anschließend Privatinsolvenz angemeldet, um den lästigen Forderungen diverser Bankhäuser sowie den Unterhaltszahlungen zu entgehen.
Nachdem Horst in galoppierender Cholerik einen Wohnzimmersessel durch die geschlossene Terrassentür geworfen hatte, schweben er und Elvis wieder auf Wolke sieben. Solange Horst auf die langen Unterhosen verzichtet …
Kompakt und wendig, so müsse das neue Fahrzeug sein, meint Sonja, wegen der viel zu kurzen, zu schmalen und sowieso unvorteilhaften Parkplätze in der City.
Es war eine Nacht ganz nach dem Geschmack von Claus. Endlich hatte er Tina in sein Loft locken und ihr dort auf und neben der Liegestatt sowie auf der Schlafcouch aus italienischer Manufaktur demonstrieren können, dass er mit seinen knapp 40 Lenzen plus noch lange nicht zum alten Eisen zählte.
Auch Tina war begeistert, schließlich hatte Claus sie kurz vor dem Verlust der Oberbekleidung auf ein Lustwochenende in einer südeuropäischen Metropole eingeladen, was ihre Ausgelassenheit zusätzlich beflügelte. Und da sie in Erwartung kommender Geschenke nicht protestierte, durfte Claus auch eiskalten Prosecco aus ihrem Bauchnabel schlürfen.
So hätte es gerade weiter gehen können am nächsten Morgen, hätte nicht plötzlich ein Herr mittleren Alters am Fußende des Wasserbetts gestanden und mit einem extrem penetranten Discounterparfum die Luft verpestet, was auch Tina aus dem Schlaf riss. Stumm erbrach sie sich übers Oberbett, derweil sich der peinlich berührte Herr als Gerichtsvollzieher vorstellte.
Die Tür sei auf sein Klopfen aufgesprungen und da sei er eben hereingetreten, nicht ahnend, was ihn erwarte, aber wo er schon einmal da sei, wollte er auch kassieren. Im Namen des Gerichts, das den Unterhaltsforderungen seiner Exfrau Sonja stattgegeben hatte. Und nachdem Claus seines Bargelds verlustig gegangen war, begann der Gerichtsvollzieher Kuckucke auf die Möbel zu kleben, was Tinas Hoffnungen hinsichtlich der angekündigten Reise einen weiteren Dämpfer versetzte …