WER NOCH

 

Beispielsweise …

Arno von Hippenstaal. Statt eines Berufs geht Arno seiner liebsten Beschäftigung nach: Weiber flachlegen, wie er sich auszudrücken pflegt. Hierzu kam ihm lange Zeit seine Galerie gerade recht, in der er dank eines opulenten Erbes die Scheinchen gleich säckeweise in Staub verwandelte.

Boris. Wohlbehütet im Kreise seiner Eltern, vor allem seiner Mutter, die mit der bloßen Hand einem Ochsen das Genick brechen kann, geht Boris einer Beschäftigung als Pförtner im öffentlichen Dienst nach. Er arbeitet Gleitzeit.

Brings. Vater, Mutter, Sohn und Tochter – Familie Brings von gegenüber. Er wienert gern Autos, sie starrt Surflehrern in prallen Tangabadehosen nach, der Junior ist gelegentlich beschäftigt und das Küken bald schwanger.

Brunner. Ginge es nach ihm, hieße die Hauptstadt Germania und das Drumherum Deutsches Reich. Als eine Art Laufbursche in der in Rechtsfragen seit fast tausend Jahren äußerst versierten Kanzlei Bölthorn, Alviss & Kader hat er genügend Zeit, um sich seiner Karriere bei den Natur Pfreunden Düsseldorf zu widmen.

Candalaba & Moshammer. Wenn sie nicht miteinander streiten, trinken sie miteinander und loben sich gegenseitig über den Klee, gelegentlich. Ansonsten sind sie der festen Meinung, philosophisch tätig sein zu müssen.

Diese Riemenschneiders. Bettina, Bianca, Eve und Yves, die allesamt auf die Familientradition pfeifen und Bettinas Mutter Bettina als Grand Dame des nordhessischen Ausdruckstanzes, wenn man so will, im Regen stehen lassen. Und das selbst nach ihrem überraschenden Ableben.

Elfi. Eigentlich: Elfriede Sack. Einst verheiratet mit Günther (Sack). Während dessen außerehelichen Eskapaden selbst außerehelich tätig, was sie über einige Irrwege bis in die Karibik verschlug.

Elke. Rückbank, Vorderbank, Motorhaube, Kofferraumdeckel, Schreibtisch, Teppich, Parkett, Fliesen, Laminat, Steinfeinzeug, Sand, Moos, Rasen und vieles mehr: Sexuell betrachtet, ist ihr praktisch nichts fremd, und das ausdauernd. Mittlerweile verheiratet mit einem mutmaßlich vermögenden Unternehmer, was wahrscheinlich nichts heißen muss.

Eva & Baptiste. Während sie fest davon überzeugt ist, Künstlerin zu sein, widmet er sich mit bemerkenswerter Akribie der Trockenlegung weltberühmter Grand Crus und versucht sich nebenbei als Poet, was zumindest phasenweise zu atemberaubenden Resultaten führt. Beide sind auf der Suche, wobei weder ihr noch ihm wirklich klar zu sein scheint, nach was.

Familiär. Nichts Genaues weiß man nicht, was vor allem seinen Grund darin hat, dass bislang so gut wie nichts von Schoss selbst vom Dunkel ins Licht gezerrt worden ist. Ausgenommen der Großvater, der küstennah in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone in einer Villa gemeinsam mit einigen älteren Herrschaften residiert.

Fiedler & Goncorek. Mit allwöchentlichem Erotic Table Dancing sowie einer Kassenkraft im Silbertanga haben sie dem deutschen Textilreinigungswesen Impulse von unglaublicher Strahlkraft verliehen. Wobei heutzutage niemand mehr fragt, woher das Geld kam, um das Geschäft direkt gegenüber zu eröffnen.

Günther. Als Küster schwang er schon lang eine laue Glocke. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er die Fronten wechselte und in Erotikproduktion machte. Inhaber des Schbricz-Schbradcz. Auch das übrigens mit freundlicher Unterstützung kirchlicher Würdenträger. Einst mit Elfi verheiratet. Zudem Vater der Tochter meiner ehemaligen Nachbarin Sabine.

Horst & Elvis. Ohne Elvis wäre Horst aufgeschmissen. Was Horst weiß, was ihn noch cholerischer macht. Wobei wiederum Elvis weiß, dass Horst weiß, dass er weiß, was er Horst bedeutet, weswegen Horst bei Elvis hier und da ein Auge zudrückt. Aber eben nicht immer.

Meine Straße. Zuflucht fürs herausragende Vertreter des deutschen Stromhandwerks, namentlich Elektro Duttmaier und Elektro Schmitt. Des Weiteren hier anzutreffen: die vermögende Fleischerwitwe, das Personal vom Adler (vormals Kaisers), Giovanni, die mediterrane Heulsuse, Doktor Cross, mein Hausarzt, Jutta, die Maklerin auf himmelhohen Highheels, sowie eine Reihe weiterer Herrschaften.

Raoul. Ein Freund aus alten Tagen. Mal verliebt, mal inspiriert, dann wieder am Boden zerstört. Als Kreativer in einer Werbeagentur zuständig für aufsehenerregende Reklame.

Sabine & Tassilo. Sie begegneten sich, als sie den Planeten zu verlassen gedachte. Seitdem sind sie untrennbar und mittlerweile verheiratet, wobei die Tochter die Tochter eines anderen ist.

Selma & Henri. Wäre er nicht in ihr Leben getreten, würde sie noch heute Essen kaputt machen mit ihrer Nullaroma-Küche. Doch mit Henri wurde alles anders. Dank Händen groß wie Bratpfannen wurde aus Selmas Ruine innerhalb weniger Monate einer der schönsten Winzerhöfe vor den Toren der Stadt und obendrein ein formidables Restaurant.

Sonja & Claus. Einst zusammen, dann getrennt. Sonja erzog die gemeinsamen Kinder. Claus entzog sich dem Leben durch Freitod, Sonja lief am 17. März 2013 final vor einen Bus.

Viktor. Für Viktor ist Viktor Vaudeville (alias Wigald Musenacker/Egon Cervantes) der bedeutendste zeitgenössische Chansonier aller Zeiten, was ihn nicht davon abhält, bei Supermarkteröffnungen und Tanzgalas auf Vergnügungsdampfern den Showmusikanten zu geben. Bei seinen musikalischen Begleitern setzt er gezwungenermaßen auf Exotik, was ihm den einarmigen Pianisten Erich Bluhaar bescherte sowie die kasachischen Hühnerdiebe Les 3roberts.

Walter Serge. Das Faible der Mutter für russische Dissidenten bescherte Walter seinen zweiten Vornamen, wobei sie ursprünglich Serge Gainsburg im Sinn gehabt haben soll, zu späteren Gelegenheiten aber stets auf Serge Poliakoff verwies, weil der nicht für Kopulationsanimationslieder bekannt war.

Arnos WeltBoris’ WeltBrings’ WeltBrunners Welt
Candalaba vs. MoshammerDiese Riemenschneiders
Elfis WeltElkes WeltErdge intimEva & Baptiste
FamiliärFiedler & GoncorekGlaube & LebenGünthers Welt
Horst & ElvisLeslie Veszprém-PeruLiveMeine Straße
Raouls WeltSabine & TassiloSelma & HenriSonja & Claus
Viktors WeltWalter Serges Welt

erdge schoss | Viktor Vaudeville