Happy Fado

Für ein paar Monate war Baptiste noch einmal der Alte: hungrig, wach und eloquent. Damals nach seinem Rauswurf, als er plötzlich für Jazzt poppen schrieb, das skandinavische Kulturmagazin, das bis heute keiner kennt.

Noch immer liegt das letzte Interview unveröffentlicht in seiner Schreibtischschublade. Ein Interview, das all das vereinte, was Journalismus ausmacht: knallharte Fragen, intelligente Antworten, pfeilschnelles Nachsetzen, Bonmots am laufenden Meter. Ein Interview anlässlich eines Jahrhundertdebüts, das die Welt hätte verändert können …

Baptiste (für Jazzt poppen): Zu Ihren angeblich größten Leistungen zählt die Erfindung des Happy Fado. Wie kam es dazu?
Viktor Vaudeville: Es war abends und ich nahm das Happy von Happy und verband es mit dem Faden von Fado. Dann ging ich die Treppe runter zum Zigarettenautomaten.

Rauchen Sie immer noch wie ein englischer Vorort zur Zeit der großen Kohlenkrise?
Wann soll die denn gewesen sein?

Wenn Sie’s nicht wissen.
Was dann?
Mir doch egal.

Spielen Sie ein Instrument?
Nein. Aber Goethe spielt Flöte auf Schiller sein’ Piller.
Damals in Weimar?
Vielleicht. Vielleicht aber auch in Mainhattan.
Das hieß doch damals noch gar nicht so.

Wetten?

Betty Ford

Hätte Baptiste das nötige Geld, säße er längst in der Betty Ford Klinik und würde sich schön einen reinsaufen. So aber muss er das Elend seiner Existenz ungeschminkt in einem Straßenzug von Mainhattan ertragen.

Ohne Eva, mit der er noch noch die Wohnung im zweiten Stock bewohnt, die trotz mittelmäßiger Begabung, aber enormer Geschmeidigkeit den Galeristenwindhund Dirk de Detmold für sich gewann und nun von einer Vernissage zur nächsten weitergereicht wird.

Ohne Job. Vom überbezahlten Redakteursfaulenzer eines Lifestyle-Kundenmagazins zum WM-Poeten im zu engen Trainingsanzug und mit einer lächerlichen Lockenperücke für eine Bäckereikette: Würde er nicht einen Jahrhundertwein nach dem anderen zu einem wohlwollenden Händler tragen, der ihm stets ein paar Euro zuviel zahlt, wäre er längst pleite und säße stromlos vor dem fast leeren Kühlschrank und sähe den Gemüseresten beim Verschimmeln zu.

Außerdem

19 Riesen: geschenkt

Kurz nachdem Walter Serge ein Gewerbe angemeldet hatte, um “irgendwas mit Zeug oder so” zu machen, stand ein Vertreter der laut eigener Darstellung hochgradig erfolgreichen Firma Teuroweb auf der Matte und wollte ihm das Internet verkaufen.

Und zwar das ganze Internet. Mit Firmenwebseite, E-Mails, so viel er will – und einem Video für nur 4.000 Euro, was ein Schnäppchen war angesichts der obendrauf plusminus 15.000 Euro für die Webseite. Wozu ein Video, wollte Walter Serge wissen. Weil, meinte der Vertreter, man ihn dann abfilmen könne, wie er bei seinem Zeug so rumsteht.

Außerdem seien gerade Angebotswochen bei Teuroweb, weshalb Walter Serge das ganze Paket anstatt für 19.000 Euro für null Mark bekäme. Plus einer monatlichen Betreuungsgebühr von 250 Euro, weil ja irgendwer aufpassen muss auf die E-Mails und dass die Webseite nicht wegläuft. Nicht zu vergessen: das Video.

Walter Serge war begeistert und setzte zum Unterschreiben an. Im selben Moment brüllte der Ballermann-Knaller “10 nackte Frisösen” im Vertreterkoffer los, worauf der Vertreter im Koffer zu wühlen begann und nach der dritten Strophe ein Handy in der Hand hielt, den Anruf entgegennahm, entspannt zu plaudern begann, sich wenig später im Treppenhaus wiederfand und staunend die Flugbahn des vorbeisegelnden Koffers verfolgte.

Fast durch den Wind wie Sarrazin

Was geht nur in den Köpfen von Bankkaufmännern vor? Erst Büchernarr Thilo Sarrazin, nun Bodo Stammler-Seidenschnatz, der am Strand von Namevergessen ähnlich spektakulär über sich hinauswuchs.

Und zwar angesichts der kaffeebraunen Schönheit Chiquita Riemenschneider, mit der er sich (ohne ihr Wissen) in den Aufzug einer Bankfiliale träumte und vorauseilend aus der Hose fuhr.

Hurra!


Foto: KonFerenz