9. Februar 2010 von Erdge Schoss
Endlich! Eine letzte Kopfnuss noch, dann stand der Wagen still. Bruno wusste nicht, was mehr schmerzte: sein Schädel, in dem gusseiserne Glocken lärmten, die Ohren, die höllisch brannten, oder der Anblick schreckfarbener Strandhosen, die behaarte Pranken aus seinem Sichtfeld wadenaufwärts zerrten.
Nachdem die beiden Fußpaare verschwunden waren, beschloss Bruno unter dem Wagen hervor zukrabbeln. Vorsichtig bewegte er das Rollbrett, auf dem er lag, was seinen rot glühenden Ohren gar nicht bekam angesichts des karibiksandgestrahlten Unterbodens. Dass Bruno nur ein paar Millimeter voran kam, war jedoch nicht nur seiner Wehleidigkeit geschuldet, sondern auch der Brustschnalle seiner durchgeschwitzten Latzhose, die am Chassis verharkt war.
Was und wie genau, konnte er nicht sehen, da er seinen Kopf zwischen Unterboden und Rollbrett nicht drehen konnte. Mit den Händen kam er auch nicht richtig dran und dank der unzähligen Kopfnüsse, die er einstecken musste, fiel auch das Nachdenken schwer. Faul herumliegen wollte er aber auch nicht, schon allein wegen der Ohren – durch die er im selben Augenblick wieder Schritte hörte: eindeutig Frauenfüße, die in Ballerinas steckten …
8. Februar 2010 von Erdge Schoss
Die Lage auf Trinidad und Tobago: unverändert.
5. Februar 2010 von Erdge Schoss
Im letzten Moment schaffte sich Bruno unter den Wagen. Ein Fußpaar in weißen Ballerinas blieb neben der Fahrertür stehen. Plötzlich tauchten zwei weitere Füße auf, braungebrannt, behaart, mit ungepflegten Nägeln.
Der Kerl sagte etwas. Doch Bruno verstand es nicht, da seine Ohren sich beim Zwängen unter den Wagen einrollten und wie eingeklappte Autospiegel zwischen Unterboden und Rollbrett am Kopf klebten. Elfi lachte – flüsterte, sagte … es war zum Verrücktwerden, Bruno verstand kein Wort!
Musste er auch nicht, da schon im nächsten Augenblick die Karosserie rhythmisch zu ruckeln begann. Was Brunos Lage, insbesondere der seiner Ohren, wenig zuträglich war, da es mit jedem Ruck zur Kopfnuss auch einen Satz heiße Ohren gab. Dazu der Anblick von vier Füßen und einer schreckfarbenen Strandhose auf Halbmast.
Die Ruckelfrequenz stieg. Die Lautstärke auch. Er ächzte wie ein waidwunder Pelikan, sie flirrte wie ein original karibischer Kolibri. Bruno flehte, dass die Federung des Cabrios nicht vollends versagte. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel und erreichte damit genau das Gegenteil. Hoch, tief, hoch, tief – nicht zum Aushalten! Und immer auf den Kopf und die Ohren!
Bruno konnte nicht einmal mehr schreien, da längst auch seine Wangen eingeklemmt waren. Er sah aus wie ein Ochsenfrosch bei Unterdruck. Und das Gejuckel hörte einfach nicht auf …
4. Februar 2010 von Erdge Schoss
Während Elfis Dienstzeit im Hotel und der gleichzeitigen Abwesenheit ihres Quasigattens, Herrn Ashley Soundso (der Name tut nichts zur Sache), hatte Bruno alle Zeit der Welt, um sich an Elfis Zweitwagen, einem nicht mehr ganz taufrischen Cabrio aus britischer Fabrikation, zu schaffen zu machen.
Auf einem Rollbrett unter dem Wagen liegend, suchte Bruno nach den Bremsschläuchen, die er sicher leichter gefunden hätte mithilfe einer Taschenlampe, welche er jedoch vergessen hatte, denn noch immer funktionierte sein Hirn nicht an allen Tagen gleich gut, besonders, was das Erinnern betraf. Glück im Unglück: Immerhin hatte er das Rasiermesser zum Durchtrennen der selbigen nicht vor dem Badezimmerspiegel liegen lassen.
Mit einem Badezimmer, wie man es in Mitteleuropa kennt, hatte Brunos Badezimmer im Osten von Trinidad und Tobago selbstverständlich nur den Namen gemein. Und die wesentlichen Bestandteile der Einrichtung. Heizung gab es jedoch nicht. Warum auch? Man war schließlich in der Karibik und würde mit einer Heizung im Bad vollends für plemplem gehalten.
Was Bruno jetzt auch nicht half, im Dunkeln die verdammten Bremsschläuche zu finden – auch und gerade, als er Schritte hörte. Schritte, die wie Elfis klangen …