Ein Abend in München auch mit Herrn Fitz

Sieht man die Alpen beim Blick aus dem Fenster vom i-camp in der Entenbachstraße 37? Warum nennen Stadtplaner Straßen so? Was haben ihnen Straßen getan? Hieß die Straße schon vor dem morgigen Jour Fitz so? Warum?

Warum nicht? Ich setze mich morgen hinters Steuer eines flotten Flitzers und lenke den Schlitten gen Süden zum Abendbrot mit Herrn Fitz, der wieder keinen Tisch reserviert hat, weshalb es Hendl auf die Hand gibt. Oder Kichererbsen.

Danach: Jour Fitz mit dem bezaubernden Fräulein Mellcolm und den Herren Bräuer, Sachau und (erneut) Fitz, als auch mir, der ich die Ehre habe, als Conférencier ein wenig zu plaudern hier und da, bevor DJ Heller zu tanzbarer Sofamusik lädt. Weißwurst kann ich übrigens auch nach Mitternacht essen.

In die Hose

Einen Gemütsmenschen wie Henri kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Er weiß viel Leid zu ertragen und glaubt selbst dann noch an das Gute im Menschen, wenn andere längst die Hoffnung haben fahren lassen.

Apropos “fahren lassen”: Es war an einem Freitagabend im Frühjahr des vergangenen Jahres, als vier Fensterverkäufer den Start in die neue Verkaufssaison zu feiern gedachten und mit jeder weiteren geleerten Flasche fahren ließen, was den Menschen angeblich zur Krone der Schöpfung macht.

Henri bekam davon in der Küche nichts mit und Selma biss auf die Zähne angesichts der von Minute zu Minute stattlicheren Rechnung. Im Geist kaufte sie schon ein Pfannenset aus original tschechischem Gusseisen, das sie den Proleten an Tisch vier sofort und originalverpackt um die Ohren gehauen hätte.

Als dann der Erste des Quartetts aus den Sanitärräumen nicht mehr zurückkehrte, weil er mit starrem Blick und offenem Hosenstall in seiner eigenen Kotze kniete, entschied Henri, dass es Zeit war für einen finalen Digestif, wie er in diesem Restaurant noch nicht ausgeschenkt worden war: ein hochexplosives Gemisch aus Rizinusöl, Bisacodyl und einem Schuss Strohrum, das ganz im Sinn des Urhebers (und fern des Winzerhofs) vierfach voll in die Hosen ging.

Die Spesenritter reiten nicht mehr

Während ein Haufen Plastikmüll das letzte Funksignal seines sinnlosen Seins ins Nichts sendete, mäanderten Selmas Gedanken mehr oder minder ziellos durch den Raum. Seit Monaten blieben mittags die Tische im Restaurant leer, denn die Spesenritter ritten nicht mehr.

Was Selma eingedenk der allumfassend miserablen Wirtschaftslage schwermütig stimmte, entlockte Küchenchef Henri nur ein Grinsen. Entspannt wie lange nicht saß er seiner geliebten Lebensgefährtin am langen Tisch gegenüber und wippte auf dem Stuhl mit verschränkten Händen hinterm Kopf. Das “Drecksscheißding”, das er Sekunden zuvor quer über den Winzerhof gefeuert hatte, war Geschichte – ebenso wie das penetrant wichtigtuerische Publikum, das Henri von jeher “extrem auf den Sack” gegangen war.

Nun gut, die Ritter mit den sündhaft teuren Fahrzeugen und den viel zu bunten Krawatten hatten hier zwar ihr Geld gelassen, womit so manches auf dem alten Winzerhof wieder instand gesetzt werden konnte. Nichtsdestotrotz hatte es Henri immer wieder geschmerzt, wie Horden würdeloser Crétins fern jeder Tischmanieren über seine feinen Kreationen herfielen, durchtrieben von blödheitsgepeitschter Arroganz, dass mit Geld alles zu bezahlen war.

Übrigens auch an jenem Abend zu vorgerückter Stunde, als das Pack bereits alle anderen Gäste vertrieben hatte und nach “ganz Besonderem” schrie, woraufhin Henri einen halben Liter Südtiroler Bauernfeind in eine leere Flasche 49er Sauternes füllte und dazu gezuckerte WC-Steine als “Caramel brûlée” servierte …

Nie mehr o2

In hohem Bogen flog das Handy aus dem Fenster und zerschellte an der Bruchsteinmauer des gegenüberliegenden Hauses. “Glaub mir”, meinte Selma, “das kann nichts dafür.” “Kann es doch”, schrie Henri, “das Drecksscheißding!”

Kirchentag

Die Renovierungsarbeiten im Schbricz-Schbradcz gehen gut voran. Was gestern noch als Kloster “Zur garantiert unbefleckten Empfängnis” Hort der Frömmigkeit gewesen sein will, soll ab Frühsommer 2010 zentraleuropäische Bordellgeschichte schreiben.

Dafür will das Investorenteam rund um Erotikfilm-Genius Günther Sack sorgen – auch und gerade mit dem Sanktus hochrangiger Würdenträger der katholischen Kirche, die als stiller Teilhaber am fröhlichen Pimpern partizipiert.

Dass der Generalvikar des Bischofs aber auch den offiziellen Kirchentag im Schbricz-Schbradcz “begehen” wollte, ging seinem Chef dann doch zu weit. Weswegen man sich auf eine “kleine Feier” in privatem Rahmen verständigte.

Ein neuer Wagen für Herrn Schoss?

erdgeschoss

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