Discofox ohne Grenzen: was Vater Brings seit seinem Comeback wegtanzte, spottete jeder Beschreibung. Seit mehr als zwei Tagen und nach wie vor im selben Dress ließ er die Hüften kreisen, imaginären Wesen entgegen, die nur er sah, und stets mit Flaschenbier im Griff, um zu allen Tageszeiten der drohenden Austrocknung vorzubeugen.
Weshalb Ouzo Uschi vor Scham fast im Boden versank, war doch spätestens seit dem gestrigen Abend allerorts klar, dass der Kauz mit der wirren Frisur und dem schweißfarbenen Polohemd zu ihr gehörte, was ihrem Ansehen unter den griechischen Animateuren nicht gerade dienlich war und die Werbekosten zusätzlich in die Höhe trieb.
Cordt bekam von all dem nichts mit. Nach der Romanze mit Britta, die praktisch einseitig ausgefallen war und sich im Wesentlichen auf Cordts heimliches Filmen beschränkte, hatte er sich in das Halbdunkel des Hotelzimmers zurückgezogen und kühlte seine von Sonnenallergien aufgequollene Haut mit großflächigen Quarkwickeln.
Bis eben gerade ging die Hottelleitung noch davon aus, dass Vater Brings finanztouristisch als Totalausfall verbucht werden musste.
Seit mehr als drei Tagen hatte er nicht den Kopf vom Kissen gehoben, geschweige denn die Augen geöffnet. Und er lag schnarchend nur deshalb im Bett und nicht auf der Intensiv, weil Mutter Brings das Quasikoma ihres Gatten dem Hoteldirektor als Meditationsgeneralprobe für die “Frankfurter Winterspiele” verkaufte, was diesen als Erklärung genügte, da er auch so schon genug Ärger am Bein hatte. Unter anderem wegen seiner Gattin, der Fotos von ihm beim mehr als verfänglichen Ölringen mit einem Schwammtaucher namens Stavros in die Hände gelangt waren, die nie in ihre Hände gelangen sollten.
Mutter Brings war’s nicht minder recht, hätte ihr doch nichts weniger in den Kram gepasst hätte als tägliche Lazarettbesuche. Außerdem war sie als “Ouzo Uschi” mittlerweile zu einiger Berühmtheit rund um den Pool und besonders beim Personal gelangt. Doch zu früh gefreut. Wie aus dem Nichts tauchte Häuptling Brings aus dem Nichts auf und tanzte sich in alle Herzen …
Zwei Tage später, und noch immer schlief Vater Brings den Schlaf des Gerechten. Und keinen kümmerte es.
Mutter Brings zerging in einer Tour beim Angaffen der griechischen Animateure und nutzte die erstbeste Gelegenheit, um mit dem Poolkellner Brüderschaft zu trinken. Mit Zunge. Tochter Chloé-Nicole badete Sonne oben ohne ein paar Meter weiter direkt am Meer und war bei jedem Augenöffnen aufs Neue erregt vom Anblick ihrer imposanten Nippel.
Und Sohn Cordt verliebte sich direkt in Britta aus Herne, die an der Schnellstraße zwischen Hotel und Strand auf der Liege lag.
Wie im Paradies! Mutter Brings, die auf “Uschi” hört und sich sofort bewegt, konnte sich gar nicht satt sehen an dem, was Griechenlands Animateure zu bieten hatten.
Kurz nach dem Frühstück und schon flott angedröhnt am Pool, winkte sie einen Cocktail nach dem anderen heran und schaute geölten Muskeln bei der Arbeit zu. Wovon Häuptling Brings nichts ahnte nach dem verspäteten Aufbruch im Morgengrauen von der Hotellobby ins Zimmer, wo er noch immer den Schlaf des Gerechten schlief.
Ungute Stimmung dagegen im Doppelzimmer von Tochter und Sohn, weil Letzterer seit einer geschlagenen Dreiviertelstunde das Bad blockierte und so Chloé-Nicoles maximaldramatisches Aufbretzeln torpedierte, was sie derart lautstark kommentierte, dass wenig später der hoteleigene Sicherheitsdienst auf der Matte stand und sie erst mit einem Warnschuss in die Zimmerdecke zur Vernunft brachte.