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11. Mai 2012 von Erdge Schoss
Viktor Vaudeville, Jahrhundertchansonnier von eigenen Gnaden, ist auf und davon. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung seines neusten Werks lieh er sich den mintfarbenen Buick von Fiedler & Goncorek und fuhr gen Italien. Ziel: der apostolische Palast, Rom.
Vaudeville will nicht mehr und nicht weniger als eine Audienz mit Benedikt XVI. Für den Fall, dass das nicht so ohne weiteres klappen sollte, ist er gewappnet. Auf der Rückbank liegt das Kantholz.
Die Mission ist ebenso eilig wie heilig. Vaudeville will den Segen für sein neustes Machwerk Strand Meer Haus sowie alle weiteren bereits vollendeten, noch zu vollendenden sowie noch nicht erschaffenen Kompositionen erbitten, um endlich Kasse mit seinem Scheißdreck zu machen.
Ohne Risiko ist die Spritztour nicht. Vaudeville vergaß in der Eile seine Eurocard und der Tank des Wagens war nur halbvoll …
9. Mai 2012 von Erdge Schoss
Liebe ohne Grenzen! Komponiert, arrangiert und produziert von Viktor Vaudeville & Marc Roberts. Interpretiert von Vaudeville & Les 3roberts sowie den Hans Koslowski Singers Hans, Karin und Geronimo.
Strand Meer Haus – der Sommerknaller!

8. Mai 2012 von Erdge Schoss
Ausgelassen tollten die drei kasachischen Hühnerdiebe über den mecklenburg-vorpommerschen Strand in Badehosen aus Kamelhaar, während Viktor Vaudeville in sicherer Entfernung ein Herrenmagazin studierte. Wegen der Texte.
Die Stimmung war ausgelassen. Und es dauerte nicht lang, bis sich die Kasachen einer alten Tradition besannen, ein Loch in den Steppensand zu pinkeln. Weshalb in Ermangelung der Steppe das Meer herhalten musste.

Was ungeahnte Folgen hatte eingedenk der randvoll mit durchgenierter, vergorener Stutenmilch angereicherten und hochtoxischen Körperflüssigkeiten, mit der das Kasachenterzett das Meer sprenkelte. Sekunden später trieben Fische leblos an der Oberfläche und das Wasser färbte sich giftgrün.
Selbst Beton hielt der Lauge nicht stand, wie sich mit der einsetzenden Flut zeigte, die Mies van der Rohes Sommerhaus erreichte, das die Woche drauf zum Weltkulturerbe hätte erklärt werden sollen. Was Vaudeville zwischen zwei lesenswerten Artikeln zur Kenntnis nahm, noch am selben Abend mit den Kasachen abreiste und die Ostsee kategorisch für einen möglichen Videodreh ausschloss …
7. Mai 2012 von Erdge Schoss
Viktor Vaudeville hielt es für eine gute Idee. Zur Einstimmung auf die bevorstehende Jahrhundertproduktion sollte die kasachische Musikantenbrut Les 3roberts mal wieder raus aus dem Verschlag, die Sonne sehen und den Wind spüren.
Eine Suite an der Ostsee war schnell gebucht und auf der Weide neben dem Hotel war genügend Platz für ein original kasachisches Steppenzelt. Während Viktors persönliche Assistentin Hetti van Gogh die Schrankkoffer packte, organisierte Gil Roberts auf einem nahegelegenen Parkplatz Kennzeichen für den Tourbus, den Kiste Roberts mittels grobkalibrigen Werkzeugs weitgehend instand setzte. Weil die Zeit drängte, musste das mit den Bremsen bis zur Rückkehr warten …
4. Mai 2012 von Erdge Schoss
Der Pegel muss stimmen. An den Aufnahmegeräten und auch sonst. Damit es was wird. Und es ist etwas geworden. Vaudevilles Sommerhit: Strand Meer Haus.
Während eines zweitägigen, von Alkoholtsunamis gepeitschten und überraschend kantholzfreien Studioaufenthalts spielte der Jahrhundertchansonnier von eigenen Gnaden mit seinen kasachischen Hühnerdieben Les 3roberts sowie den Hans Koslowski Singers Hans, Karin und Geronimo mutmaßlich einen Meilenstein der gepflegten Abendunterhaltung ein.
Was ich größtenteils bestätigen kann, denn ich war dabei. Als Mundschenk …

Strand Meer Haus
Viktor Vaudeville & Les 3roberts
(hörbar in Bälde)
1. Mai 2012 von Erdge Schoss
Am Tag der Arbeit macht Vater Brings Politik. Verabschiedet sich von der Alten und den Blagen für die Demo und kehrt fünf Häuserecken weiter ins Germania-Eck ein. Schön kühl, auch bei Hitze, und die Luft geteert mit kaltem Rauch, immer noch. Punkt neun dreißig steht das erste Bier mit Klarem vor ihm.
Genauso pünktlich: die Kollegen von der Gewerkschaft. Wenn es was zu demonstrieren gibt, sind sie immer bei den ersten. Und saufen, saufen können sie. Fällt einfach nicht um, das Pack. Gewerkschaft eben, die steht. Selbst bei zwo Promille und Hosen auf Halbmast und kurz drauf urinwarm, weil oben rein wie unten raus, aber ohne bewegen. Tag der Arbeit, normal, IG soundso. Demonstration. Urlaub, Löhne, alles rauf.
Mutti sacht nix. Kennt das, hilft ihm aus den Klamotten, den vom Hemdkragen bis zum Fußzeh postinfantil durchnässten, schiebt ihn unter die Brause, wo er noch mal kotzt, aber nur dünn. Alles Stückige längst raus, teils ins Pissoir vom Germania-Eck, teils vor der Tür. Erster Mai eben. Linke Faust rauf, an die Wand, abstützen.
Tags drauf Krankmeldung, mindestens bis Wochenende.